Kaum freie Bauflächen

700 neue Kita-Plätze in Kassel geplant - Ausbau geht zu langsam voran

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Mehr Platz für Kinder: Aktuell sind noch etliche Eltern für das bevorstehende Kindergartenjahr ohne Platz für ihren Nachwuchs.

Am 1. August beginnt das neue Kindergartenjahr, doch viele Eltern haben für ihre Kinder noch keinen Kita-Platz. Einige drohen der Stadt Kassel, ihren Rechtsanspruch gerichtlich durchzusetzen.

Gleichzeitig ist der Kita-Ausbau ins Stocken geraten. Die Stadt geht aber davon aus, für alle Eltern rechtzeitig eine Lösung zu finden.

Während die Stadt in den vergangenen Jahren wegen des seit 2013 geltenden Rechtsanspruchs vor allem die Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren ausgebaut hat, fehlen nun die Kapazitäten für die über Dreijährigen. Eigentlich sollten dieses Jahr 335 neue Plätze für diese Altersgruppe geschaffen werden. Das Geld dafür wurde auch im Haushalt bereitgestellt. Doch das Ausbauziel wird höchstwahrscheinlich verfehlt.

Der Grund dafür liegt in den langwierigen Finanzierungsverhandlungen mit den freien Kita-Trägern. „Erst Mitte Januar haben wir die neuen Finanzierungszusagen der Stadt erhalten. Bis dahin hat keine Einrichtung an einen Ausbau gedacht“, sagt Antje Proetel, Geschäftsführerin des Dachverbandes der freien Kindertagesstätten. Dabei sei der explodierende Bedarf bereits 2018 absehbar gewesen.

Ob und wie viele Kita-Plätze für die über Dreijährigen tatsächlich fehlen, wird sich im Mai zeigen, wenn die Stadt die Planungsgespräche mit den Kitas führt. 

700 neue Plätze sollen entstehen bis 2020

Als im Jahr 2013 der Rechtsanspruch für die Kita-Betreuung von Kindern unter drei Jahren umgesetzt wurde, legte die Stadt Kassel den Fokus darauf, die Krippenplätze auszubauen. Doch nun fehlt es an Kapazitäten für die Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Die Stadt Kassel hat auf HNA-Anfrage angekündigt, bis zum Kitajahr 2020 für diese Altersgruppe 600 bis 700 neue Kita-Plätze schaffen zu wollen. 

Steigende Geburtenraten und der Zuzug in die Stadt haben den Bedarf zuletzt steigen lassen. Die jüngste Entscheidung des Landes, die U3-Plätze so zu fördern, dass sechs Stunden Betreuung täglich kostenfrei sind, werden vermutlich für zusätzliche Nachfrage sorgen. 

Doch der Ausbau, bei dem die Stadt vor allem auf die freien Kita-Träger setzt, ging zuletzt zu langsam voran. Dies lag vor allem daran, dass die Verhandlungen über die städtischen Betriebskostenzuschüsse für die freien Kita-Träger länger dauerten. Erst als im Januar die Einrichtungen wussten, mit welchem Geld sie rechnen konnten, trieben sie ihre Erweiterungsplanungen voran. „Wir sind weit davon entfernt, die für 2019 geplanten 335 neuen Plätze anbieten zu können“, sagt Antje Proetel, Geschäftsführerin des Dachverbandes der freien Kindertagesstätten (Dakits). 

Kaum freie Bauflächen

Dieses Problem wird auch von der Stadt eingeräumt. Ein Stadtsprecher teilt aber mit: „Inzwischen sind sehr viele Vorhaben auf den Weg gebracht worden, die teilweise schon in diesem, spätestens jedoch im nächsten Jahr starten können.“ Die Stadt selber wolle bis 2020 insgesamt 150 Kita- und Krippenplätze schaffen. 

Ein Hemmnis bei der Schaffung weiterer Betreuungsangebote ist die Raumnot. Es gebe schlicht kaum freie Flächen, die sich für Kitas eignen würden, sagt Proetel. Hinzu komme der Fachkräftemangel, der einen Ausbau ausbremse. „Der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen ist schon jetzt leer gefegt“, sagt Proetel. Vor diesem Hintergrund steige für die Stadt Kassel auch das Risiko von Elternklagen. 

Aktuell liegt die Betreuungsquote für alle Kasseler Kinder ab drei Jahren bei 91 Prozent. Dies ist aber nur ein Durchschnittswert. In einigen Stadtteilen (Rothenditmold, Kirchditmold, Bettenhausen, Unterneustadt) ist das Angebot schlechter. Kinder aus ebenfalls unterversorgten Stadtteilen wie Kassel-Mitte, Süsterfeld-Helleböhn und dem Vorderen Westen könnten durch das Angebot in benachbarten Stadtteilen aufgefangen werden, so die Stadt. 

Das in Rothenditmold aktuell 200 Kita-Plätze fehlen sollen, wie kürzlich im Ortsbeirat berichtet wurde, will das Rathaus nicht bestätigen. Die Zahl sei noch nicht valide. Es gebe viele Eltern, die sich bei mehreren Kitas als Interessenten meldeten. Die Wartelisten müssten erst von Doppelanmeldungen bereinigt werden.

Auch die Kitas im Landkreis Kassel platzen aus allen Nähten.

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