Kasselwasser: 75 Prozent der untersuchten Rohre schadhaft

Untersuchung auf Privatgrundstücken: Viele Kasseler Kanäle haben Schäden

Kassel. 75 Prozent aller Zuleitungskanäle von privaten Grundstücken in Kassel haben Schäden. Durch Risse, Versätze und Wurzeleinwüchse sickere verunreinigtes Abwasser in den Boden und Grundwasser dringe in die Kanäle ein, was die Kläranlage unnötig belaste.

Das ist das Ergebnis der bisherigen Untersuchungen von Kasselwasser. Der städtische Eigenbetrieb hat seit 2009 in Bettenhausen und Kirchditmold etwa 2500 Zuleitungskanäle, von denen das Abwasser in die öffentlichen Kanäle fließt, unter die Lupe genommen. „Wir sind selbst überrascht, in welch schlechtem Zustand diese Kanäle sind“, sagt Tobias Rottmann, zuständig für die Kanaluntersuchungen. 95 Prozent dieser Rohre seien aus Steinzeug (Keramik).

In den vergangenen Wochen hätten verunsicherte Bürger oft bei Kasselwasser angefragt, ob die Untersuchungen überhaupt noch bindend seien. Hintergrund ist die Aussetzung der Abwassereigenkontrollverordnung durch Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich im Mai dieses Jahres. Demnach gibt es die Frist nicht mehr, dass alle Zuleitungskanäle in Hessen bis 2025 untersucht werden müssen.

Auch wenn die Frist weggefallen sei, so Rottmann, ändere dies nichts an der Verpflichtung, dass Kasselwasser alle Kanäle auf Schäden prüfen müsse. Das schrieben das Hessische Wassergesetz und die Abwassersatzung der Stadt Kassel vor.

Über den Wegfall der Frist sei man jedoch nicht unglücklich, sagt Rottmann. Man hätte es ohnehin nicht bis zum Jahr 2025 geschafft, die rund 40 000 privaten Zuleitungskanäle und Straßenabläufe in Kassel auf Schäden zu untersuchen. Die Kosten von rund 500 Euro für die Untersuchung würden den Grundstückseigentümern nicht in Rechnung gestellt, sondern sind über die Abwassergebühr finanziert. Eine Sanierung koste im Schnitt 2500 Euro.  Vierte Seite

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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