In jedem zweiten Haushalt wohnt nur eine Person – Kleine Wohnungen gefragt

Viele Kasseler leben allein

Stefan Bürger

Kassel. Was die Zahl der Alleinlebenden angeht, hat Kassel fast die Merkmale einer Metropole: 26,2 Prozent der Kasseler leben allein - also mehr als jeder Vierte. Das ist ein Wert, der dem von Großstädten ab einer halben Million Einwohner nahe kommt: Dort leben durchschnittlich 29 Prozent der Menschen allein.

Im Bundesdurchschnitt lag der Anteil Alleinlebender bezogen auf die Gesamtbevölkerung im vergangenen Jahr bei 20 Prozent - jeder Fünfte ist also allein zu Haus. Noch vor 20 Jahren lag die Quote nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 14 Prozent. Dieser Wert gilt inzwischen nur noch für besonders kleine Gemeinden. Grundsätzlich lautet die Faustregel: Je größer die Stadt, desto mehr Alleinlebende.

Schaut man sich in Kassel die Verteilung der Haushaltsgrößen an, wird die Single-Quote noch eindrücklicher: Fast jeder zweite Haushalt ist ein Ein-Personen-Haushalt (49,6 Prozent). Dieser Wert hat sich in den vergangenen fünf Jahren nur geringfügig verändert.

Der hohe Anteil an Alleinlebenden sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass viele Studenten und viele ältere Menschen in Kassel leben, sagt Stadtsprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. In 25 Prozent der Single-Haushalte leben unter 30-Jährige. 31,5 Prozent der Alleinlebenden sind über 60 Jahre alt.

Entsprechend dem hohen Anteil von Alleinlebenden ist die Nachfrage nach kleinen Wohnungen in der Stadt groß. Von einem Mangel will Stefan Bürger, Leiter der Kasseler Geschäftsstelle der Wohnungsbaugesellschaft GWH, nicht sprechen. „Aber wir haben einen angespannten Markt.“ Kleinere Wohnungen würden stark nachgefragt. Bei der GWH seien 44 Prozent des Bestands Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen (insgesamt 2300). Wer eine solche Wohnung suche, dem könne man auch etwas anbieten, sagt Bürger, „die Frage ist nur zu welchem Zeitpunkt“. Zwei bis drei Monate Wartezeit solle man schon kalkulieren. Gerade zu Semesterbeginn gebe es durch die hohe Zahl der Studienanfänger regelmäßig Engpässe. „Wer antizyklisch sucht, hat ein größeres Angebot.“

Die Nachfrage nach kleineren Wohnungen steige außerdem, weil viele Menschen im Alter weniger Wohnraum benötigten und die bessere Infrastruktur einer Stadt suchten. „Die Leute kommen dann aus dem Speckgürtel wieder nach Kassel.“

Aus Groß mach Klein

Ganz ähnlich fallen die Beobachtungen bei der Wohnungsgesellschaft GWG aus. Dort beträgt der Anteil der kleinen Wohnungen (ein und zwei Zimmer) 42 Prozent. Sowohl bei GWG als auch GWH werden seit einiger Zeit große Wohnungen umgebaut und in zwei kleinere geteilt, um die steigende Nachfrage zu bedienen.

Gegen Vereinsamung

Zusätzlich zu baulichen Veränderungen habe man aber auch Begegnungsstätten, Alltagshilfen und Aktivitätsangebote geschaffen, um einer Vereinsamung insbesondere von älteren, alleinlebenden Mietern entgegenzuwirken, sagt Petra Leithäuser von der GWG.

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