Verfassungsschützer müssen am Dienstag in Berlin aussagen

Mordfall Yozgat: Viele Fragen bleiben offen

Halit Yozgat

Kassel/Berlin. Der Mord am Kasseler Halit Yozgat wird am Dienstag im Mittelpunkt des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages stehen. Yozgat war 2006 in seinem Internetcafé in der Holländischen Straße erschossen worden - mutmaßlich von den rechten Terroristen Bönhardt und Mundlos.

Der Mord hat jetzt ein parlamentarisches Nachspiel, weil kurz vor der Tat - oder sogar während des Mordes - der hessische Verfassungsschützer Andreas T. aus Hofgeismar am Tatort war. Deshalb müssen am Dienstag der frühere Chef des Hessischen Verfassungsschutzes, Lutz Irrgang, und Andreas T. vor dem Ausschuss aussagen.

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Wir werden von der Sitzung des Untersuchungsausschusses am Dienstag ausführlich online berichten.

Der Verfassungsschützer Andreas T. war in dem Internetcafé, um im Netz Frauenbekanntschaften zu knüpfen. Zuerst war der Man für die Polizei ein Tatverdächtiger – schließlich hatte er sich nach dem Mord nicht selbst als Zeuge zur Verfügung gestellt, sondern musste erst ermittelt werden. Die Nachforschungen der Polizei gestalteten sich danach aber äußerst schwierig - sie seien vom Verfassungsschutz behindert worden, klagten die Fahnder.

Für den Verfassungsschutz verantwortlich war damals als Innenminister der heutige hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Auch er soll vom Bundestags-Untersuchungsausschuss noch gehört werden - Bouffier muss am 28. September in Berlin Rede und Antwort stehen.

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Der Mordfall Yozhat - alle Hintergründe hier.

Dass die Arbeit der Polizei im Mordfall Halit Yozgat behindert worden sei, lag offenbar im Interesse des Staates, wie damals argumentiert wurde. Man wollte den Verfassungsschützer Andreas T. und seine Informanten womöglich nicht preisgeben, um sie als Quelle zu erhalten. Denn Andreas T. führte offensichtlich V-Leute, die ihn aus der rechten Szene mit Informationen versorgten. So soll Andreas T. mit seinem Informanten Benjamin G. am Tattag noch zweimal telefoniert haben. Benjamin G. hatte offenbar über seinen Stiefbruder, der in der Kasseler Szene ein bekannter Rechtsextremist gewesen sein soll, Zugang zu Neonazigruppen. Der Stiefbruder soll zum Beispiel im rechtsradikalen Netzwerk „Blood & Honour“ aktiv gewesen sein.

Bitten der Polizei, auch diese Quellen befragen zu dürfen, um so einen ausländerfeindlichen Hintergrund des Yozgat-Mordes abzuklären, seien vom Verfassungsschutz aber abgebügelt worden, heißt es. Der „Spiegel“ zitiert in seiner aktuellen Ausgabe einen Verfassungsschützer, wonach derlei Geheimhaltung für „das Wohl des Landes Hessen“ bedeutsam gewesen sei. Der Mord an Halit Yozgat sei demgegenüber nicht so wichtig gewesen. (tho)

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