Gewerkschaft: Subunternehmen zahlen Hungerlöhne

Viele Paketzusteller schuften für wenig Geld

Kassel. In der Zustellbranche weht ein scharfer Wind. Auch in Kassel und Umgebung arbeiten Paketdienste wie Hermes, DPD, GLS und Transoflex-Thermomed mit Subunternehmern zusammen.

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Diese bezahlen ihre Zusteller nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di zum Teil weit unter Tarif beziehungsweise beschäfftigen sie als eigene Subunternehmer. Nur der normale DHL-Paketdienst und UPS arbeiten laut Ver.di noch überwiegend mit eigenen Fahrern.

50 Cent für ein Paket und 35 Cent pro Päckchen als Entlohnung sind keine Seltenheit. Die Gewerkschaft spricht von Hungerlöhnen und permanenten Verstößen gegen die Arbeitszeitverordnung. Die Sätze entsprächen einer Nettovergütung von drei bis vier Euro pro Stunde, kritisiert Manuel Sauer, bei Ver.di Nordhessen für den Fachbereich Postdienste und Logistik zuständig. Der Tariflohn betrage 10,62 Euro brutto und 7,50 Euro netto. Honoriert werde auch nur bei erfolgreicher Zustellung. Könne das Paket nicht abgeliefert werden, gehe der Zusteller leer aus.

Ver.di schätzt, dass 1000 Zusteller in der Region tätig sind. Die Gewerkschaft fordert, die Fahrer nach Tarif zu bezahlen. Die Paketdienste müssten dies von ihren Subunternehmen einfordern. Keines der in Nordhessen tätigen Subunternehmen sei tarifgebunden, kritisiert Sauer.

Die 428 Vertragspartner des Paketdienstes Hermes beschäftigen laut Unternehmenssprecher Martin Frommhold 13 000 Mitarbeiter, davon 350 in Nordhessen. „Selbstverständlich fühlen wir uns auch für unsere Fahrer verantwortlich“, sagt er. Hermes habe einen Verhaltenskodex aufgestellt, der Dumpinglöhne und Strafkataloge verbiete. Verstöße könnten dazu führen, dass Verträge mit Subunternehmen gelöst würden. Die Vertragspartner würden branchenüblich bezahlt und könnten die Fahrer so entlohnen, dass sie einen auskömmlichen Verdienst hätten, erklärt der Sprecher.

Von Ellen Schwaab

Rubriklistenbild: © dpa

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