Sorgenkinder sind Feldhasen, Rebhühner und Frauenschuh

Artensterben auch in Nordhessen: Viele Pflanzen und Tiere sind bedroht

Kassel. Die Vereinten Nationen haben 2010 zum „Internationalen Jahr der Artenvielfalt“ erklärt. Auch in unserer Region schreitet das Artensterben von Pflanzen und Tieren voran. „Fast ein Drittel aller Pflanzenarten und mehr als die Hälfte aller Tierarten stehen auf Roten Listen.“

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Das sagt der Ökologe Dr. Horst Koenies von der Uni Kassel. Von den hessenweit 1822 Pflanzenarten führt die Rote Liste 567 als gefährdet auf. Bei den Wirbeltieren gibt es 331 Arten, davon 214 in einer Gefährdungskategorie. Besonders bedroht ist der Laubfrosch, der Feldhamster, die Kreuzkröte oder bei den Pflanzen Frauenschuh, Brauns Schildfarn und das Adonisröschen. Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union stellt sie alle unter einen besonderen Schutz.

Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr

Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Feldhamster: Lebensraum: Ackerlandschaften und Steppen Gefährdung: moderne Landwirtschaft und Ackerbau © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Der Rote Milan: Seine Verbreitung beschränkt sich im Wesentlichen auf Europa. Über 50 Prozent des Gesamtbestandes dieser Art brüten in Deutschland. Lebensraum: Bevorzugte Lebensräume sind Agrarlandschaften mit Feldgehölzen, oft auch Parklandschaften. Gefährdung: Abschuss, Kollisionen mit Hindernissen und Stromleitungen sowie Vergiftungen sind die häufigsten Todesursachen. © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Kiebitz: Lebensraum: Offene, flache Landschaften mit kurzem oder gar keinem Gras. Gefährdung: Intensivierung der Landwirtschaft. © 
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Biber: Lebensraum: Fließende und stehende Gewässer, Uferbereiche Gefährdung: Jagd, Rodung und Ackerbau © 
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Feldhase: Lebensraum: Offene Landschaften und Steppen Gefährdung: moderne Landwirtschaft - Dünger und Pestizide © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Luchs: Lebensraum: Große Waldareale mit dichtem Unterholz und offene Landschaften Gefährdung: Jagd und Ausrottung © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Rebhuhn: Lebensraum: Baum und Strauchsteppen, Heiden und Brachlandschaften Gefährdung: Landwirtschaftsmaschienen © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Er hat seine Brutgebiete in Europa: Lebensraum: Laubwälder und Laubmischwälder mit Fließgewässern, Tümpeln. Gefährdung: Hochspannungsleitungen und Windstromanlagen © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Gelber Frauenschuh: Er ist eine der prächtigsten wildwachsenden Orchideenarten Europas und steht unter strengstem Schutz. Lebensraum: Bevorzugt wächst er in schattigen Laubwäldern oder an buschigen Berghängen. Gefähdung: Forstwirtschaft, die keine Waldentwicklung zulässt. © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Herkulesstaude: Die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Pflanze hat sich in Europa und Nordamerika ausgebreitet. Lebensraum: Sie ist in Gärten, Parks, an Straßenrändern, in Bach- und Flusstälern sowie auf Brachen anzutreffen. Weil sie die heimische Pflanzenwelt verdrängt, wird sie bekämpft. © 
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Das ganz große Sorgenkind seien Tiere und Pflanzen, die auf Offenlandschaften - also Feldern, Äckern, Wiesen und Weiden - ihre Heimat hätten, sagt Koenies. Feldhasen, Rebhühner, Wachteln und Kiebitze ernährten sich vorwiegend von Wildkräutern. Doch die Tiere fänden wegen der Intensivierung der Landwirtschaft keinen Raum zum Leben und keine Nahrungsgrundlage mehr. Sogar eine globale Verantwortung sehen die Naturschutzverbände für den Roten Milan. Nur in Europa lebt diese Greifvogelart, davon 60 Prozent des Weltbestandes in Deutschland. Zurzeit brüten 20 000 Paare, etwa 1000 davon in Hessen.

Doch die Naturschützer verzeichnen auch Erfolge: So nistet der Schwarzstorch wieder in Nordhessen. Uhu, Luchs, die Wildkatze, der Kolkrabe und der Wanderfalke sind hier wieder zu Hause. Und von der Renaturierung von Losse, Wahlebach und Fulda profitierten auch gefährdete Fischarten wie Groppe, Hasel und Bitterling, sagt Claus Neubeck vom BUND.

Von Beate Eder

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