Gesundheitspersonal wartet ab

Corona-Impfung in Kassel: Viele Pfleger sind skeptisch - „Lager geraten öfter aneinander“

Ein Arzt, eine Ärztin und eine Pflegerin stehen in einem Krankenhaus.
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Corona in Kassel: Martin Höher, Arzt im Elisabeth-Krankenhaus Kassel, hat eine klare Meinung zu Impfungen.

In Kassel sind viele Mitarbeiter von Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäusern skeptisch gegenüber einer Corona-Impfung.

Kassel – Mitarbeiter von Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäusern gehören zusammen mit den besonders gefährdeten Bewohnern der Einrichtungen zu denen, die sich als erstes gegen das Coronavirus impfen lassen dürfen. Trotzdem wollen viele abwarten – obwohl sie die Folgen einer Infektion durch ihre Arbeit bereits miterlebt haben.

Diese Impfskepsis ist unter Pflegern relativ weit verbreitet. Das Deutsche Ärzteblatt berichtet über eine aktuelle Studie, für die intensivmedizinisches Personal befragt wurde. Demnach wollen sich 73 Prozent der Ärzte impfen lassen, beim Pflegepersonal sind es dagegen nur 50 Prozent (siehe Hintergrund).

Ein Krankenpfleger, der in einem Kasseler Krankenhaus arbeitet, erklärt die Gründe so: „Viele entscheiden sich gegen eine Impfung, weil sie nicht wissen, ob es Langzeitfolgen gibt.“ Diese Skepsis sorge wiederum für Diskussionen unter den Kollegen. „Beide Lager, also die, die sich impfen lassen wollen, und die, die dagegen sind, geraten öfter aneinander“, so der Pfleger. In seinem Krankenhaus seien es etwa 50 Prozent der Kollegen, die sich in die Liste derer eingetragen haben, die einer Impfung zustimmen. „Die anderen warten ab.“

Im DRK-Seniorenheim in Kaufungen, in dem als erstes im Landkreis geimpft wurde, lag die Impfbereitschaft unter den Mitarbeitern am ersten Impftag noch etwas niedriger – von 70 ließen sich 20 Impfen. Bei den Bewohnern signalisierten dagegen bis auf drei alle ihre Bereitschaft.

Prof. Martin Höher, Chefarzt der Kardiologie und Inneren Medizin am Elisabeth-Krankenhaus, hat diese Zurückhaltung ebenfalls beobachtet. Er sagt: „Am Anfang herrscht immer Skepsis, wenn etwas neu ist.“ Das erzeuge unter dem Pflegepersonal das Gefühl, Versuchspersonen zu sein. „Ich beobachte aber, dass sich das langsam ändert. Die Kollegen müssen sich nur erst mal mit dem Gedanken befassen“, sagt Höher.

Der Mediziner betont, dass die Corona-Impfung eine sichere Impfung sei. „Wir wissen natürlich nicht alles, aber die Testung ist nicht schlechter als bei anderen Impfungen – auch wenn die Entwicklung schneller war.“ (Marie Klement)

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