Trotz steigender Arbeitslosenzahlen

Immer weniger Hartz-IV-Empfänger

Kassel. Die positiven Nachrichten vom Arbeitsmarkt sind vorerst verstummt. Seit Oktober steigt in Kassel die Zahl der Arbeitslosen, und das auch im Vergleich zum Vorjahr: Ein Zeichen für eine nachlassende Konjunktur.

Gegen den Trend entwickeln sich die Zahlen beim Jobcenter der Stadt Kassel aber nach wie vor gut: Auch in den vergangenen Monaten ist die Zahl der Leistungsempfänger weiter gesunken (siehe große Grafik).

Das Jobcenter kümmert sich um Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind und Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bekommen sowie um deren Angehörige, wenn in einem Haushalt nicht genug Geld zum Leben vorhanden ist.

„Wir rechnen damit, dass wir im Lauf des Jahres 2013 auch einen Anstieg spüren werden“, sagt Detlev Ruchhöft, Geschäftsführer des Jobcenters. Denn die Menschen, die jetzt ihre Jobs verlieren, noch Arbeitslosengeld I erhalten und von der Arbeitsagentur betreut werden, kommen nach einem Jahr zum Jobcenter, wenn sie keine neue Arbeit gefunden haben.

Wieso aber geht die Zahl der Hartz-IV-Empfänger zurück, wenn es doch auf dem Arbeitsmarkt verstärkt zu Entlassungen kommt? Zum einen liege das daran, dass es in einigen Branchen wie Gastronomie, Logistik, Pflege, Einzelhandel und bei Sicherheitsdiensten nach wie vor Bedarf für Helferarbeiten gebe, sagt Ruchhöft. 70 Prozent der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger haben keine Berufsausbildung. Für den Fachkräftemarkt kann das Jobcenter daher eher selten geeignetes Personal vermitteln.

Zum anderen komme der Rückgang der Hartz-IV-Empfänger auch dadurch zustande, dass sogenannte Aufstocker in eine Arbeit vermittelt werden, von der sie - und ihre Familien - leben können. Aufstocker nennt man Menschen, die zwar einen Job haben, aber so wenig verdienen, dass sie ergänzend Hartz-IV-Leistungen bekommen. Gerade in diesem Bereich seien zuletzt viele Menschen aus der Stütze herausgekommen, sagt Ruchhöft. Diese positive Entwicklung ist so stark, dass sie im Dezember den leichten Anstieg bei den arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern aufgefangen hat: Der Trend ist nach wie vor rückläufig.

„Wir schauen auf alle Leistungsbezieher, nicht nur auf die Arbeitslosen“, sagt Ruchhöft. So habe man auch im Blick, welche Leistungsbezieher Partner oder eine mehrköpfige Familie zu versorgen hätten. Diese versuche man vorrangig in ausreichend bezahlte Jobs zu vermitteln. Der Effekt: Gleich mehrere Menschen kommen aus dem Leistungsbezug.

Millionenschwerer Erfolg

Detlev Ruchhöft

Die Arbeit des Jobcenters lässt sich auch in Geld ausdrücken: Allein in den letzten zwei Jahren sind die Ausgaben für die Leistungen zum Lebensunterhalt von Hartz-IV-Empfänger um insgesamt 10,8 Mio. Euro gesunken auf jetzt 95,5 Mio. Euro. 2005 hat die Stadt noch 123,7 Mio. Euro für die Hartz-IV-Bezüge und Unterkunftskosten von fast 30 000 Menschen ausgegeben (siehe kleine Grafik).

Nicht nur mit Blick auf die Stadtkasse sei das erfreulich, betont Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel, sondern vor allem auch mit Blick auf die Menschen, die sich und ihre Familie wieder aus eigener Kraft ernähren könnten.

Von Katja Rudolph

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