Viele Schlecker-Frauen suchen noch Arbeit

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Erika Preuß

Kassel. Sechs Monate nach der Schlecker-Pleite sind etliche der ehemaligen Mitarbeiterinnen noch ohne Job. Von der Insolvenz der Drogeriemarktkette waren in und um Kassel 50 Filialen mit 200 Mitarbeiterinnen betroffen.

Erika Preuß

Nur wenige fanden wie Stefanie Siebert-Port sofort eine neue Stelle. „Ich habe das Unglück kommen sehen“, sagt sie über das Ende der Drogeriemarktkette. Die 41-Jährige aus dem Landkreis, die mit einem 20-Stunden-Job bei Schlecker eingestiegen war und zuletzt in der Bezirksleitung arbeitete, hatte sich rechtzeitig nach einem neuen Arbeitsplatz umgesehen. Heute gehört sie zu den wenigen Schlecker-Mitarbeiterinnen, die nahtlos einen neuen Job gefunden haben.

„Ich habe Glück gehabt“, sagt sie. Stefanie Siebert-Port hat auch einiges dafür getan. Seit Januar habe sie 200 Bewerbungen versandt. „Ich habe aktiv gesucht“, sagt sie. Nun arbeitet die gelernte Friseurin in einem Kasseler Penny-Markt, wo sie nach Tarif bezahlt wird. „Mir gefällt’s gut“, sagt sie. „Ich habe keinen Grund, mich zu beschweren.“ 90 Prozent ihrer ehemaligen Kolleginnen suchten noch immer eine Arbeit, sagt die Mutter von zwei Kindern. „Wir waren 40 Frauen, davon haben vier oder fünf eine neue Stelle gefunden.“ Einige arbeiteten zudem unter Tarif.

„Es ist sehr unterschiedlich“, sagt Erika Preuß, Leiterin des Fachbereichs Handel im Ver.di-Bezirk Nordhessen. „Nicht wenige suchen noch.“ Konkrete Zahlen hat sie nicht. Wer Arbeit gefunden habe, sei meist im Einzelhandel tätig, sagt Preuß. Von den Schlecker-Mitarbeiterinnen mit Leitungsfunktionen hätten einige gute neue Arbeitsplätze bekommen. Manche seien in andere Drogeriemärkte gewechselt oder in den Lebensmittelhandel, einige seien in anderen Branchen tätig oder besuchten Fortbildungskurse.

Obwohl sie über Jahre selbstständig die Filialen geführt hätten, seien viele bei der Jobsuche diskriminiert worden, sagt Preuß. Frauen nahe dem Rentenalter, die eigentlich noch arbeiten wollten, hätten sich mit ihrer Situation abgefunden.

Die Gewerkschafterin macht auch die Politik für die Pleite und deren Folgen verantwortlich. „Es ist ein politischer Skandal, das ein eingetragener Kaufmann 30.000 Menschen beschäftigt und keiner ihn kontrolliert“, sagt sie. Diese Rechtsform, die einem Einzelunternehmer viele Freiheiten einräume, müsse einer gesetzlichen Kontrolle unterliegen, „damit sich so etwas nicht wiederholt“.

Preuß beklagt auch die fehlende Unterstützung in der Insolvenz durch die Politik. Diese habe nach dem Motto gehandelt: „Das sind halt Frauen. Sie müssen sehen, wie sie klarkommen.“

Von Ellen Schwaab

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