Viele Sänger sind alt

Schwund von 170 Gruppen in zehn Jahren: Vielen Chören geht Puste aus

Kassel. Die Chorlandschaft in der Region dünnt aus: In den vergangenen zehn Jahren haben sich 170 Chöre in Nordhessen und Südniedersachsen aufgelöst.

Das geht aus den Zahlen des Mitteldeutschen Sängerbunds (MSB) hervor. Nicht enthalten sind Kirchenchöre und freie Singgruppen, die nicht im Verband organisiert sind.

Voriges Jahr gehörten 657 Chöre dem MSB an. Zehn Jahre zuvor waren es noch 826. Die Zahl der aktiven Mitglieder ist im selben Zeitraum um 6400 gesunken auf aktuell 17 200. Das entspricht einem Rückgang von 27 Prozent. Gerade viele Traditionschöre, die in der Blütezeit des Chorgesangs im 19. Jahrhundert gegründet wurden, müssen wegen fehlenden Nachwuchses aufgeben. So wird auch der Kasseler Eisenbahnchor Flügelrad Ende Oktober verstummen. Er bestand seit 1913.

In der Stadt Kassel gibt es aktuell 25 Chöre, die dem MSB angehören – vier weniger als noch vor zehn Jahren. Im Altkreis Kassel sind es 48 Chöre (2004: 55). Zwar kommen immer wieder auch neue Gruppen hinzu – allein im Kasseler Umland waren es drei seit Jahresbeginn. Die Altersstruktur deutet aber darauf hin, dass das Chorsterben auch in den nächsten Jahren weitergeht: Mehr als die Hälfte der Mitglieder im Sängerkeis Kassel ist über 60 Jahre alt.

Auch das geänderte Freizeitverhalten sieht MSB-Präsident Volker Bergmann als einen Grund für den Schwund. Heute gebe es mehr Angebote als früher. Viele Menschen wollten sich zudem nicht mehr dauerhaft an etwas binden. Andererseits seien alteingesessene Chöre auch gefragt, sich zu verändern, wenn sie wieder Zulauf haben wollten. „Viele wagen sich nicht an neue Literatur heran, mit der man auch Jüngere erreichen könnte“, so Bergmann.

Dass Kirchenchöre komplett eingehen, ist selten. Aber man müsse auch werben, um Nachwuchs zu finden, sagt Bezirkskantorin Christine Spuck vom evangelischen Kirchenkreis Kassel.

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