Mieterbund und Feuerwehr warnen vor großer Dunkelziffer

In vielen Wohnungen fehlen Rauchmelder

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Kassel. Seit Jahresanfang müssen in jeder Wohnung Rauchwarnmelder montiert sein. Doch viele Vermieter sind der Pflicht nicht nachgekommen.

„Trotz der klaren Rechtslage sind noch längst nicht alle Mietwohnungen mit den Geräten ausgestattet“, warnt Mieterbund-Geschäftsführer Folker Gebel.

Eine seriöse Schätzung, wie viele Wohnungen noch ohne die lebensrettenden Rauchmelder sind, gibt es nicht. In Online-Portalen wie zuhause.de sagen bis zu 40 Prozent der Teilnehmer einer Rauchmelder-Umfrage, bei ihnen zu Hause sei noch kein Melder installiert. Gebel vermutet eine „riesengroße Dunkelziffer“. Es kämen immer wieder Mieter zur Beratung, die wissen wollten, was sie tun müssen, um ihre Vermieter zum Warnmelder-Einbau zu bewegen.

Auch bei der Kasseler Berufsfeuerwehr „rufen besorgte Bürger an, die sagen, mein Vermieter kümmert sich nicht“, berichtet Klaus Mierke, Abteilungsleiter für vorbeugenden Brandschutz. In solchen Fällen wird dann die städtische Bauaufsicht aktiv und mahnt die Vermieter.

Dass sich viele Mieter um ihre Sicherheit sorgen, hängt auch mit dem tragischen Wohnungsbrand vor wenigen Tagen in einer Dachgeschosswohnung an der Ihringshäuser Straße zusammen, in dessen Folge zwei Kinder an Rauchvergiftung gestorben waren. In der Wohnung gab es keine Rauchmelder.

„Das ist etwas, wo man hingucken muss“, sagt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Die Anklagebehörde werde künftig bei Bränden mit Verletzten oder Toten und fehlenden Rauchwarnmeldern grundsätzlich prüfen, ob man den Vorwurf einer fahrlässigen Körperverletzung oder Tötung durch Unterlassen gegen den Vermieter erheben könne. Ob daraus ein hinreichender Tatverdacht wird und sich der Vermieter in einem Strafverfahren vor Gericht verantworten muss, sei vom Einzelfall abhängig.

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