CDU-Politiker fordert kleinere Krankenzimmer - Kritik von Kasseler Klinikchefs

Vierbettzimmer sind selten

Bettentransport: Im Kasseler Klinikum, das insgesamt über 1119 Betten verfügt, schiebt ein Zivildienstleistender ein leeres Bett über den Gang. In Kasseler Krankenhäusern wurde und wird in jüngster Zeit viel gebaut und saniert. So sind beispielsweise Badezimmer für die einzelnen Patientenzimmer inzwischen Standard. Archivfoto: dpa

Kassel. Wenn es nach dem CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn geht, soll es in deutschen Krankenhäusern künftig nur noch Zweibettzimmer geben. Die meisten Häuser könnten ohne Probleme umstellen, meint er. Das würden Kasseler Krankenhauschefs jedoch nicht so ohne weiteres unterschreiben. Und der Standard sei gerade in Kassel, wo an den Krankenhäusern sehr viel gebaut wird, bereits sehr hoch, wendet der Geschäftsführer des Marienkrankenhauses, Michael Schmidt, ein.

Ein Beispiel dafür ist das 169-Betten-Haus auf dem Rothenberg, das in den vergangenen Jahren saniert und umgebaut wurde. Hier gibt es inzwischen keine Vierbettzimmer mehr. In den größten Zimmern stehen drei Patientenbetten, insgesamt gebe es relativ viele Zweibett- und auch Einbettzimmer, sagt Schmidt.

Häufig könne man Zimmer nicht komplett belegen, weil Patienten allein liegen oder isoliert werden müssten, schildert er. Gründe dafür seien beispielsweise schwere Erkrankungen, Infektionen oder sterbende Patienten. Auf diese Weise verlieren Krankenhäuser ohnehin häufiger Kapazitäten, gibt Schmidt zu bedenken.

In älteren Gebäuden des Kasseler Klinikums gibt es vereinzelt noch Vierbettzimmer. Im Neubau habe man jedoch zu drei Vierteln Zweibettzimmer angelegt, sagt Klinikum-Sprecherin Gisa Stämm. Auf fast allen Stationen gibt es auf dem Möncheberg auch Dreibettzimmer. Würde man grundsätzlich auf Ein- und Zweibettzimmer umstellen, könnte man gar nicht mehr alle Patienten versorgen, sagt sie zu Spahns Vorstoß. Zudem müsse man zusehen, wie man die dafür nötigen Umbauten finanzieren kann.

Gerade in Hessen seien in den vergangenen Jahren bereits jede Menge Betten abgebaut worden, betont der Geschäftsführer des Elisabethkrankenhauses, Albin Zimmermann. Bei einer hohen Auslastung der Häuser lasse sich da nicht mehr viel abbauen, glaubt er. So sei das Akutkrankenhaus auf dem Weinberg mit seinen 198 Betten stets gut belegt.

Rund ein Drittel der Zimmer sei hier mit drei Betten ausgestattet, 55 bis 60 Prozent mit zwei Betten, der Rest mit einem Bett. Auch die Vitos Orthopädische Klinik Kassel hätte Schwierigkeiten, Patienten unterzubringen, wenn man kurzfristig auf Zweibettzimmer umstellen müsste, sagt der stellvertretende Verwaltungsleiter Peter Herborg. In dem 1965 erbauten Haus gibt es keine Vierbettzimmer mehr. Den Hauptanteil machen Dreibettzimmer aus. Auf Wunsch stehen auch Ein- und Zweibettzimmer zur Verfügung. In den nächsten Jahren solle die 180-Betten-Fachklinik weiter umgebaut, saniert und auch vermehrt auf Zweibettzimmer umgestellt werden. Doch das brauche nicht nur eine Menge Vorlauf, sondern auch Geld.

Gebaut, saniert und modernisiert wird auch an den Diakonie Kliniken und dem Rot-Kreuz-Krankenhaus. Zahlen zur Zimmeraufteilung lagen von dort gestern jedoch nicht vor.

Von Martina Heise-Thonicke

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