Gefahr durch herabfallende Bauteile - Denkmalpflege: Haus ist sanierungsfähig

Villa an der Querallee bröckelt vor sich hin

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Nicht mehr in Schuss: Die Villa an der Querallee ist stark sanierungsbedürftig. Wer die gesperrten Bereiche unbefugt betritt, könnte von herabfallenden Bauteilen getroffen werden.

Kassel. Der Balkon ist absturzgefährdet, und wer der Villa zu nahe kommt, könnte von herabfallenden Fassadenteilen getroffen werden. Das unter Denkmalschutz stehende Haus an der Querallee, in das am vorvergangenen Wochenende Hausbesetzer eingedrungen waren, ist in einem jämmerlichen Zustand.

„Stark sanierungsbedürftig“ nennt es das Hessische Immobilienmanagement (HI), das für das Gebäude im Besitz des Landes zuständig ist. Bis vor vier Monaten waren dort noch Mitarbeiter des Hessischen Baumanagements untergebracht. Wie berichtet, soll die Villa jetzt auf dem Immobilienmarkt zum Verkauf angeboten werden.

Oberkonservator Prof. Peer Zietz vom Landesamt für Denkmalpflege sagt, das Haus sei „nicht mehr im allerbesten Zustand“. Er kenne aber wesentlich schlimmere Fälle. Grundsätzlich hält er die 1896 erbaute Villa für „sanierungsfähig“. Mit Hinblick auf den bevorstehenden Verkauf hat Zietz sich das Gebäude kürzlich angesehen, um potenziellen Interessenten Auskunft über die Zulässigkeit von eventuellen Veränderungen geben zu können. „Das ist innen total verschachtelt mit vielen kleinen Büros“, sagt Zietz. Ein möglicher Käufer könnte größere Raumeinheiten schaffen wollen.

Abriss kommt nicht infrage

Da es sich bei der Villa um ein innen und außen unter Schutz stehendes Einzelkulturdenkmal handelt, bedarf jede Änderung einer Genehmigung. Für Landes- und Bundesgebäude ist grundsätzlich das Landesamt für Denkmalpflege zuständig. Bei denkmalgeschützten Gebäuden in Privateigentum ist die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Ansprechpartner.

Regelmäßige Kontrollen, ob unter Schutz stehende Gebäude wie die Villa vom Eigentümer in Schuss gehalten werden, gebe es nicht, sagt Peer Zietz. Das sehe das Denkmalschutzgesetz auch nicht vor.

Das HI hat nach eigenen Angaben 2003 im Auftrag des damaligen Staatsbauamts Kassel (heute: Hessisches Baumanagement) die Verwaltung und Bewirtschaftung des Gebäudes an der Querallee 21 übernommen, teilt HI-Sprecherin Renate Gunzenhauser auf Anfrage mit. Im Landesbesitz sei die Immobilie aber „seit mindestens 30 Jahren“.

Der fortschreitende Verfall des Hauses ist in den vergangenen zehn Jahren vom HI jedenfalls nicht aufgehalten worden. Eine Sanierung des Gebäudes vor dem Verkauf ist nicht mehr geplant.

Wegen der Gefahr herabfallender Bauteile sei der Zugang zu den Balkonen untersagt, die Rasenfläche an der Straße durch einen Holzzaun gesperrt und die Zufahrt zur ehemaligen Garage durch ein Gerüst geschützt, sagte HI-Sprecherin Gunzenhauser.

Der Frage, was mit dem Gebäude passiere, wenn sich kein Käufer findet, weicht die Sprecherin aus: „Das HI geht davon aus, dass sich Interessenten melden werden.“ Klar ist, sagt Oberkonservator Prof. Zietz, dass die Denkmalpflege einem Abriss nicht zustimmen würde. Das käme nur dann infrage, wenn ein Gebäude so marode sei, dass man es nicht mehr sanieren könne.

Von Katja Rudolph

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