„My Organic Tribe“

Vitalpilze statt Volkswagen: Kasseler kündigt Job und macht sich mit Superfood selbstständig

Das Pubikum soll probieren: „My Organic Tribe“-Gründer Daniel Tampe und Ehefrau Tova Tampe an ihrem Stand vor der Markthalle, wo es samstags auch immer Kostproben mit den Superfood-Zutaten gibt.
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Das Pubikum soll probieren: „My Organic Tribe“-Gründer Daniel Tampe und Ehefrau Tova Tampe an ihrem Stand vor der Markthalle, wo es samstags auch immer Kostproben mit den Superfood-Zutaten gibt.

Ein Kasseler hat seinen Job gekündigt, um sich mit dem Vertrieb von Superfood-Produkten selbstständig zu machen. Die sind laut Untersuchungen ein immer größerer Trend.

Kassel – Daniel Tampe wollte sich einfach besser fühlen – nicht nur in Sachen gesunde Ernährung, sondern auch im Job und als Familienvater von drei kleinen Kindern. Deswegen hat der 41-jährige Kasseler einen ungewöhnlichen Laufbahnwechsel gewagt. Seine Stelle als Projektmanager bei Volkswagen-OTC in Baunatal hat Volkswirt Tampe an den Nagel gehängt.

Jetzt steht er regelmäßig vor Kassels Markthalle und auf anderen Märkten der Region, um die Menschen für Superfood-Pulver, Pflanzenproteine und funktionelle Vitalpilze zu begeistern.

Die von Tampe 2020 gegründete Marke „My Organic Tribe“ setzt auf den Trend, zur veganen oder einfach gesundheitsbewussten Ernährung vielerlei Wirkungsvorteile beizusteuern. Inhaltsstoffe wie Chlorella-Algen, Ashwagandha-Wurzel, Maitake-Pilze oder Lucumafrucht sollen dem Körper etwa helfen, besser mit Stress klarzukommen, die Herz- und Darmgesundheit fördern und das Immunsystem stärken,

„Das ist kein Humbug und kein Schamanentum“, meint Tampe und verweist auf Wissensbestände etwa der ayurvedischen Medizin sowie auf eigenes Erleben, wenn er solche Pulver etwa morgens unters Müsli mischt. So seien die gefällig aufgemachten Pulver-Packs auch gedacht: als Beimischung etwa zu Heißgetränken, Backmischungen und Bowl-Gerichten. Und als unkomplizierte Proteinquelle für vegetarische Ernährung.

Das so etwas weltweit im Trend ist, hat Tampe verfolgt, als er 2018 eine zehnmonatige Job-Auszeit nahm, um mit seiner jungen Familie um die Welt zu reisen. Nach dem Trip durch Austalien, Neuseeland, Japan und die USA kam bei ihm die Idee auf, „etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.“

Zunächst in der heimischen Küche experimentierten Daniel Tampe und seine aus den USA stammende Frau Tova damit, die Fitness verheißenden Trockenzutaten zu Mischungen zu kombinieren, „die gut schmecken und sich gut zubereiten lassen“.

Unter trendigen Namen wie „Holy Shiitake“ oder „Rise and shine“ werden sie inzwischen in einer angemieteten Produktionsküche gemixt. Von drei Großhändlern bezieht Tampe die teils exotischen Zutaten in Bio-Qualität, wie er betont. Auch die Endprodukte würden in Kassel nochmals bio-zertifiziert.

Als der Verkauf dann im eigenen Webshop eine Weile angelaufen war, zeigte sich eine Kehrseite der Superfood-Geschäftsidee, berichtet Tampe: „Wir standen praktisch in Konkurrenz zu sämtlichen Anbietern, die es zu diesem Thema schon gibt, wurden nicht als regionales Unternehmen wahrgenommen.“ Aus dem Nahbereich habe es keine rechte Aufmerksamkeit für das Kasseler Startup gegeben. „Da waren wir am Anfang wohl ein bisschen naiv.“

Deswegen rührt der Gründer jetzt regional die Werbetrommel, bietet samstags vor der Markthalle superfoodmäßig angereicherte Energy-Trüffel oder Moringa-Waffeln an, ist donnerstags auf dem Kasseler Anna-Markt präsent und verhandelt mit Einzelhändlern, seine Mischungen in die Regale zu bekommen.

Das klingt nach beruflichem Stress, dem er doch eigentlich entkommen wollte? Daniel Tampe fühlt sich dennoch besser als früher, wie er sagt: „Die Arbeitsbelastung ist zwar höher, aber ich habe mehr Flexibilität für unsere Kinder, während meine Frau ihre berufliche Karriere verfolgen kann.“

Superfood - ein lukrativer Ernährungstrend

„Superfood“ ist ein Kunstbegriff für eine Gruppe von Lebensmitteln, die besondere Gesundheitsvorteile bieten sollen. Und ein Ernährungstrend, der in Deutschland boomt: Auch der klassische Lebensmittelhandel hat gemerkt, dass sich damit Geld verdienen lässt und hat die Regalflächen für solche Produkte in den letzten Jahren stark erweitert. Bei einer Umfrage 2020 gaben 33 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass sie mindestens einmal in der Woche Superfood zu sich nehmen. Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel, EUFIC, schreibt dazu: „Obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.“ (Axel Schwarz)

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