Spektakuläre Auftritte beim Artisten-Festival im Flic-Flac-Zelt

Völlig losgelöst der Schwerkraft trotzen

Kassel. Plötzlich sind sie da: 50 Artisten liegen im Manegenrund, als wären sie von einem anderen Planeten nach Kassel ins Flic-Flac-Zelt auf den Friedrichsplatz gebeamt worden. Für die Zuschauer, die am Donnerstagabend gerade zur Premiere des „Festivals der besten Artisten“ Platz genommen haben, wird diese Nummer auf lange Zeit der letzte ruhige Moment sein.

Eine Gestalt im weißen Anzug steigt aus der Menge empor: Der Mexikaner Alain Alegria kniet, steht und schaukelt freihändig unter der Zirkuskuppel auf dem Trapez, dass man mit ihm die Balance halten möchte und gedanklich schon vorn über kippt - was ihm natürlich nicht passiert.

Keine Verschnaufpause

Beim Artisten-Festival ist keine Zeit für pathetische Abschiedsgesten. Alegria landet wieder in der Manege. Das Licht geht aus, und als es wenige Sekunden später wieder angeknipst wird, sitzen die vier Ukrainer der Gruppe Stand Flights auf der drehbaren Bühne. Handvoltage nennt sich ihre Kunst, bei der sie sich nur mit der Kraft ihrer Hände in die Höhe katapultieren, Salti schlagen und lebende Türme bilden. Auch der Auftritt des Comedians Justin Case verschafft den Zuschauern keine Verschnaufpause. Der Australier hat sein Temperament kaum im Griff, steckt voller Tatendrang und zeigt, wie man Einzelteile eines Fahrrads während des Fahrens ab- und wieder anschrauben kann.

Kleiner geht’s nicht? Doch! Comedian Justin Case zeigt, was man mit Fahrrädern alles anstellen kann. Foto: Koch

Zu den riskantesten Nummern gehört die, ungesichert in großer Höhe gezeigte, trickreiche Akrobatik an Vertikaltüchern von Yulia Galenchyk. Kraftvoll und elegant zugleich sieht es aus, wenn sie sich in die Lüfte schwingt, um aus neun Metern Höhe spektakulär hinabzustürzen. Für einen Moment der Poesie sorgt danach Tatjana Kasteins anscheinend schwerelose Handstandskür auf einem schräg gestellten Spiegel.

Wie hart an der Grenze des Machbaren die Artisten des Festivals agieren, zeigt nach der Pause die Flugtrapeznummer der Borzovis. Die acht Russen haben vom Goldenen Clown in Monte Carlo bis zum Goldenen Stern in San Remo wichtige Zirkusauszeichnungen gewonnen. Doch bei der Premiere klappte nicht jedes Element ihrer optisch zwischen Mondlandung und Schwanensee angesiedelten Nummer. Dagegen gelang Alexander Xelo am Donnerstagabend fast alles. Seine leuchtenden Diaboli rasen bis unter die Decke, und er fängt sie mühelos wieder auf. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann... Dass er beim Abgang dann noch die Zuschauer an seinem Artistenglück teilhaben lässt, macht ihn zum Publikumsliebling.

Seilhüpfen in 14 Metern Höhe: Alejandro Vanegas. Foto: Koch

Die Artisten kämpfen bis zum 9. Januar um Gold, Silber und Bronze, dotiert mit 15 000, 10 000 und 5000 Euro. Jeden Abend werden Zuschauer ausgewählt, die nach der Show ihre Stimmen abgeben dürfen. Am Premierenabend entschied sich die Mehrheit für Alejandro Vanegas und seine Salti in 14 Metern Höhe auf dem sich drehenden Todesrad.

Von Wilhelm Ditzel

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