VW testet e-Golf auf Kassels Straßen

Kassel. In Kassel ist die Zukunft unterwegs: Volkswagen testet derzeit Prototypen eines elektrisch betriebenen Golf-Autos. Die Fahrzeuge sollen ihre Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen. Ende 2013 soll der e-Golf dann in Serie gehen.  Ein Fahrbericht.

"Ready" steht auf der Anzeige, zu hören ist nichts. Erst wenn der Golf Blue e-Motion rollt, blubbert es. „Ein künstliches Geräusch, zum Schutz der Fußgänger“, sagt Michael Hönisch von VW Driving Experience in Wolfsburg. Eine sinnvolle Notwendigkeit, denn obwohl Passanten das Auto sehen, versuchen sie die Straße zu kreuzen. Ohne Geblubber wäre nur das Rollen der Reifen zu hören. Volkswagen testet derzeit in Kassel Prototypen des e-Golf mit 115 PS auf Basis des Golf VI. Am 4. September hat sein Nachfolger in Berlin Weltpremiere. Ende 2013 oder Anfang 2014 geht dann der e-Golf auf Basis des Golf VII in Serie.

An der Alltagstauglichkeit des Autos dürfte die späte Markteinführung nicht liegen. Denn auf der Fahrt durch Kassel wirkt das e-Auto solide und vertraut – wie jeder Golf. Doch Volkswagen sammelt noch Daten und rechnet noch. Denn der Preis ist immer noch höher als der eines normalen Golfs. Über die Höhe schweigt der Konzern. Kosten drücken soll der modulare Baukasten, der die Produktion des Golf VII günstiger macht. Auch die Preise für die Batterie sinken. Außen wie innen gibt es kaum Unterschiede zu anderen Fahrzeugen der Golf-Familie. Spannend wird es unter der Motorhaube. Obwohl das Auto ohne Verbrennungsmotor, Auspuff, Lichtmaschine und nur mit einem Ein-Gang-Getriebe (schalten entfällt) über die Straßen rollt, bringt es 150 Kilogramm mehr auf die Waage als ein vergleichbarer Golf. Das Gewicht stammt von den aus 180 Lithium-Ionen-Zellen bestehenden 30 Batteriemodulen mit einem Energiewert von 26,5 kWh – verteilt im Kofferraum, unter der Rücksitzbank und im Mitteltunnel.

Fotos: Test-Elektroauto von VW in Kassel vorgestellt

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Artikel aktualisiert um 20.18 Uhr.

Um den e-Golf mit Strom zu betanken, braucht man bei normalem Haushaltsstrom acht bis zwölf Stunden, bei 380 Volt, das entspricht Leitungen für Elektroherde, sind es noch zwei bis drei Stunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 135 km/h. Je nach Fahrstil liegt die Reichweite bei 150 Kilometern. Doch das könnte sich ändern. Tendenz: weniger Gewicht, mehr Reichweite. Dabei ist der e-Golf keine lahme Ente: Von null auf 100 km/h sprintet er in 11,8 Sekunden, möglich macht es ein Drehmoment von 270 Newtonmeter (Nm), mit dem das Auto vom ersten Moment an zu Werke geht. Der Golf GTI liegt bei 280 Nm. Schaltwippen hinter dem Lenkrad unterscheiden den Golf von anderen Elektroautos.

Ein Sprinter: Der Golf Blue e-Motion schafft es von null auf 100 Stundenkilometer in 11,8 Sekunden. Möglich macht es ein extrem hohes Drehmoment.

Der Fahrer hat es quasi in der Fingern, wie effizient er fahren will. „Damit kann der Grad der Rekuperation reguliert werden“, erklärt Techniker Torsten Rilka. So funktioniert sie: Bremst der Fahrer, wird Bewegungsenergie in elektrische umgewandelt. Der Antrieb wird zum Generator und erzeugt Strom. Das fühlt sich so an, als würde man auf einer Gefällstrecke vom fünften in den dritten Gang schalten. Die Wippen werden beim Serienmodell entfallen. Der Effekt beeindruckt: Sieben Kilometer lang ist die Kasseler Fahrt – an der Reichweite hat sich sich nichts geändert. Der Strom ist während des Bremsens im Stadtverkehr erzeugt worden. Der Verbrauch auf 100 Kilometern liegt bei 15,8 kWh. Das hätte am Montag 4,06 Euro gekostet, beim Benziner 12,18 Euro.

von Martina Wewetzer

Hinweis: Bis Sonntagabend, 26. August, kann sich jeder ein eigenes Bild vom e-Golf machen. Die Fahrzeuge stehen vor dem Kasseler Kulturbahnhof.

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