Seit sechs Monaten im Amt

Einsatz für den Vorderen Westen: Ortsvorsteher sorgt für frischen Wind

Im Vorderen Westen ist er zu Hause: Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne). Foto: Schwaab

Kassel. Er hat kein leichtes Erbe angetreten. Im Februar hat Steffen Müller den Platz von Wolfgang Rudolph im Ortsbeirat Vorderer Westen eingenommen. Zu diesem Zeitpunkt war der langjährige Ortsvorsteher, der wenig später starb, bereits schwer krank.

„Die Fußstapfen von Wolfgang sind gigantisch“, sagt der 27-Jährige. „Die kann ich nicht ausfüllen, das will ich auch nicht.“ Der Nachfolger hat sich vorgenommen, seinen eigenen Weg zu gehen. „Etwas lockerer“, wie er sagt, und mit dem Vorsatz, dass auch Besucher im Ortsbeirat zu Wort kommen dürfen.

Fast ein halbes Jahr ist der junge Grüne nun Ortsvorsteher in Kassels einwohnerstärkstem Stadtteil. Neben seinem Studium - er will Umweltingenieur werden - und dem Referentenjob im Fraktionsbüro der Grünen eine Herausforderung. „Das ist ganz schön anstrengend.“ Da hilft es, dass er im Rathaus arbeitet und einen kurzen Draht zu den Ansprechpartnern hat.

Im Stadtteil kann er auf das Engagement des Ortsbeirats und des Vereins Kassel West zählen. „Ich muss mir keine Themen suchen“, sagt er. „Die kommen auf mich zu. Das Bürgerengagement ist sehr groß.“ Er werde auch ernst genommen und geschätzt. Müller ist der jüngste Ortsvorsteher in Kassel. Allerdings müsse er schon etwas mehr kämpfen als Ältere. Er hat es dennoch nicht bereut, den Vorsitz übernommen zu haben. „Aber es ist sehr viel Arbeit.“

Als Ortsvorsteher ist er Ansprechpartner für die Bürger im Stadtteil. „Meistens sind es kleine Dinge, die die Leute beschäftigen.“ Die Probleme bespricht er am liebsten bei einer Tasse Kaffee. Er schätzt den persönlichen Kontakt.

Klagen gebe es zum Beispiel, wenn in der Goetheanlage gegrillt wird. Müller spricht von einem typischen „urbanen Interessenkonflikt, weil viele Menschen auf engem Raum leben“. Er ist im Vorderen Westen aufgewachsen. Dass es sich immer weniger Menschen leisten können, dort zu leben, beobachtet er mit Sorge. Schließlich sei es die bunte Mischung aus Studenten, Künstlern, jungen Familien und Akademikern, die den Stadtteil so lebendig und attraktiv machten. Wenn nur noch Besserverdienende die Mieten zahlen könnten, werde der Vordere Westen vergreisen, was zu mehr Konflikten führe. Der Ortsvorsteher denkt deshalb über eine Milieuschutzsatzung nach, wie es sie in den 1970er- und 1980er-Jahren schon einmal gab. „Mal gucken, ob das sinnvoll ist.“

Sich für andere in seinem Umfeld einzusetzen, das ist es, was ihn reizt. „Es macht auch Laune, Einblick zu haben.“ Zu wissen, warum die Straße aufgerissen wird, dies und jenes passiert. Nun denkt er darüber nach, 2016 fürs Stadtparlament zu kandidieren. „Ich will aber auf keinen Fall Politiker werden“, sagt er bestimmt.

Zur Person

Steffen Müller ist in Heidelberg geboren und im Vorderen Westen aufgewachsen. Er besuchte die Herkulesschule und die Offene Schule Waldau. Nach dem Fachabitur an der Friedrich-List-Schule absolvierte er seinen Zivildienst am Jungfernkopf, anschließend machte er ein sechsmonatiges Praktikum im Fraktionsbüro der Grünen im Rathaus. Von 2006 bis 2010 gehörte er dem Ortsbeirat Nordstadt an. Seit 2011 ist er Mitglied des Ortsbeirats Vorderer Westen, seit Februar 2013 Ortsvorsteher. Zurzeit studiert er an der Uni Kassel Umweltingenieurwesen und arbeitet als Referent im Fraktionsbüro der Grünen. Der 27-Jährige ist ledig, aber seit drei Jahren in festen Händen. Er lebt in einer Wohngemeinschaft im Vorderen Westen. (els)

Von Ellen Schwaab

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