Premiere des Göker-Films: „Der sitzt nicht im Knast, sondern im Pool“

Kassel. Die wichtigste Nachricht zum Auftakt des Dokumentarfilm-Festivals mit der Premiere des Films „Versicherungsvertreter“ über Mehmet Göker war eine, die eigentlich niemanden überraschte: Der Ex-MEG-Chef kam nicht nach Kassel.

Vielleicht macht Mehmet Göker, der bereits mehrere Gerichtsurteile kassierte und gegen den noch immer unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Untreue ermittelt wird, ja doch alles richtig, meinte Moderator Clemens Camphausen am Dienstagabend im Gloria-Kino: „Der sitzt nicht im Knast, sondern im Pool“.

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Für einen großen Teil des Premierenpublikums schienen die Probleme der MEG so weit weg zu sein wie die frühere Waldauer Zentrale des Versicherungsvermittlers vom heutigen Göker-Hauptquartier im türkischen Kuadasi. Immerhin waren drei dabei, die auch im Film vorkommen und die Gökers Machenschaften aus großer Nähe verfolgten: Die ehemaligen MEGler Joachim Schmolt und Zoran Zeljko sowie Kassels Ferrari-Händler Helmut Eberlein.

Alle fanden den Film von Klaus Stern Klasse, wennngleich ihnen Mehmet Göker oft zu gut wegkam. Joachim Schmolt: „Manches war noch viel schrecklicher als im Film dargestellt“. Souverän geht Helmut Eberlein mit der Ära Göker um: Wer mit Göker zu tun hatte, bemerkte der Ferrari-Händler, musste schon „kerngesund sein“. Die Schwachen hatte Göker sofort in seinen Fängen. Man habe mit Göker anfangs auch gute Geschäfte gemacht - über ein Dutzend Ferraris waren für die MEG-Bosse unterwegs. Für ein blaues Cabrio wartet Helmut Eberlein noch immer auf eine vereinbarte Anzahlung von 50.000 Euro. „Gelbe Lichter haben wir bei Göker schon gesehen“, sagt Eberlein, „nur das Rotlicht eben nicht.“

Zoran Zeljko, ehemaliger Profi-Torwart, sah im Film vor allem, „dass ich alt geworden bin“. Und dass Mehmet Göker offensichtlich ein guter Komiker sei. Er habe ihn aber auch ganz anders kennen gelernt. Schließlich war die MEG auch Sicht von Zoran Zeljko so etwas wie eine Sekte, die ihrem Guru zu folgen hatte. Beispiel Moschee: Mehmet Göker wollte eine Moschee in Kassel bauen, die so heißen sollte wie sein Vater. Zeljko: „Mehmet Göker forderte die Mitarbeiter mit Nachdruck dazu auf, für die Moschee zu spenden.“ Einer, der 1000 Euro freiwillig spendete, war Helmut Eberlein. Schließlich war Göker ein guter Kunde. Als es dann nichts wurde mit der Moschee, habe er das Geld sogar wiederbekommen, erzählte Eberlein augenzwinkernd. „Das habe ich dann einem Kinderheim gegeben.“

Von Frank Thonicke 

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