Firmenjubiläum

Vom Hochrad zum Elektro-Bike: Kassels ältester Fahrradhändler besteht seit 125 Jahren

125 Jahre Firma Zahn Zweirad-Center in Kassel, Garde-du-Corps-Straße: Inhaber Andreas Zahn
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Auch in der Pandemie hat die Fahrradbranche gut zu tun: Inhaber Andreas Zahn in den Verkaufsräumen des Fahrradgeschäfts an der Garde-du-Corps-Straße.

Kassels ältester Fahrradhändler, die Firma Zahn Zweirad-Center, besteht seit 125 Jahren und ist durch alle Moden und Entwicklungen rund ums Rad bodenständig geblieben.

Kassel – Als Heinrich Ferdinand Zahn 1896 sein Geschäft in Kassel gründete, waren Fahrräder heutiger Bauform noch Exotenfahrzeuge. In der Kaiserzeit sah man mutige Sportsmänner kurz zuvor noch auf mächtigen Hochrädern balancieren. Erst im Jahr 1900 wurde der Begriff „Fahrrad“ überhaupt in den Duden aufgenommen.

Der frühe Einsatz für das damals neuartige Massenfortbewegungsmittel hat sich für den Familienbetrieb ausgezahlt: Als Kassels ältester Fahrradhändler begeht die Firma Zahn Zweirad-Center an der Garde-du-Corps-Straße in mittlerweile vierter Generation ihr 125-jähriges Bestehen. War es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunders der Mofa- und Moped-Boom, der die Geschäfte beflügelte, konzentriert man sich bei Zahn inzwischen wieder ganz auf den anhaltenden Fahrradtrend.

Durch die Innenstadtlage und wegen des Schwerpunkts auf alltagstauglichen Rädern ohne Extremsportler-Schnickschnack ist das Geschäft Anlaufstelle vieler Stammkunden, die es schätzen, dort schnell Hilfe bei kleineren Fahrradproblemen zu bekommen. Auch und gerade jetzt in der Pandemiezeit sei die Nachfrage hoch, sagt Inhaber Andreas Zahn, der Urenkel des Firmengründers. Werkstatttermine gebe im Moment erst ab Mitte Mai, Verkaufsvorführungen werden nach Absprache vor der Ladentür abgewickelt. Etwa jedes zweite Rad werde mit Elektroantrieb verkauft.

In den Betrieb mit fünf Mitarbeitern ist Andreas Zahn 1992 eingetreten, nach beruflichen Lehr- und Wanderjahren war der gelernte Maschinenschlosser, Bürokaufmann und Feinmechanikermeister nach Kassel zurückgekehrt. Vater Wolfgang Zahn hatte die Firma in den 1960er- und ’70er-Jahren als Treffpunkt für Moped- und Motorradfans etabliert – die damals begehrten Jugendflitzer von Kreidler, Hercules und Zündapp gab es bei Zahn ebenso wie größere Maschinen von Honda und Yamaha.

Mekka für Mopedfans: In den 1970ern, als diese Aufnahme vor dem Geschäft entstand, gehörte die Zündapp oder Hercules dazu wie heute das Smartphone.

Wolfgang Zahn war seinerzeit selbst ein erfolgreicher Motorrad-Trial-Fahrer, der an internationalen Wettbewerben teilnahm und zweimal Deutscher Vizemeister wurde. Seine Frau Heidi Zahn, 2007 verstorben, wirkte damals ebenso tatkräftig in dem Familienbetrieb.

Die Sparte Motor-Zweiräder gibt es bei Zahn längst nicht mehr. Sie wurde in den 1990er-Jahren aufgegeben, als der Boom immer mehr abflaute. Ein anderes Geschäftsfeld aus der Firmenhistorie spielt allerdings noch heute eine Nebenrolle: Haushalts- und Industrienähmaschinen.

Für damalige große Textilunternehmen wie Enka, Salzmann und Gottschalk hatte die Firma Zahn solche Nähmaschinen geliefert und gewartet. „Früher hatten wir dafür eigens einen Außendienst“, erzählt Andreas Zahn. Für wenige Industriekunden erbringt Zahn diesen Service noch heute persönlich – ebenso wie für Kasseler Berufsschulen, die Nähmaschinen betreiben. (Axel Schwarz)

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