Immobilienmakler Siegfried Putz geht nach 40 Jahren in den Ruhestand

Vom Leiharbeiter zum Firmenchef: Wie ein Österreicher in Kassel mit Immobilien Erfolg hatte

Kennt den Kasseler Immobilienmarkt wie nur wenige: Siegfried Putz arbeitet seit 40 Jahren als Makler und Verwalter von Immobilien. Hier steht er vor der Bodenrichtwertkarte der Stadt Kassel.
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Kennt den Kasseler Immobilienmarkt wie nur wenige: Siegfried Putz arbeitet seit 40 Jahren als Makler und Verwalter von Immobilien. Hier steht er vor der Bodenrichtwertkarte der Stadt Kassel.

Kassel – Mieten für zwei Euro pro Quadratmeter? Was für Mieter märchenhaft klingt, das war vor vier Jahrzehnten in Kassel noch Realität. Zu dieser Zeit startete der Immobilienverwalter und Makler Siegfried Putz seine Karriere.

„Es gab damals Mieten von vier bis fünf Mark“, erzählt der 70-Jährige, der sich nach 40 Jahren aus dem Geschäft in den Ruhestand zurückzieht. Seine Firma wird von der Kasseler Sparkasse aber unter gleichem Namen weitergeführt.

Der Werdegang des Österreichers war nicht von Anfang an auf das Immobiliengeschäft fokussiert. 1970 kam er aus dem österreichischen Steyr als Leiharbeiter für Henschel nach Kassel. Aus dieser Zeit kennt er auch den großen Kasseler Immobilienentwickler Gerhard Jochinger, der damals ebenfalls aus Steyr nach Kassel gekommen sei. Beide haben ihre technischen Berufe für die Immobilienbranche aufgegeben. Ein Zufall? „Wenn die Deutschen das Geschäft liegenlassen.“

Die Branche sei damals aber längst nicht so belebt wie heute gewesen. „Das war sehr zäh zu Beginn. Die Mieten waren niedrig und es gab viel Leerstand“, erzählt Putz. Durch die damalige Zonenrandlage sei Kassel kein attraktives Umfeld für Investitionen gewesen. Dennoch wagte Putz den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete 1980 sein Unternehmen Putz Immobilien. Sein erstes Büro befand sich am Bebelplatz. Richtig gut seien die Geschäfte aber erst ab 1991 gelaufen. Damals war der IC Bahnhof Wilhelmshöhe eröffnet worden. Im benachbarten City Center bezog der Immobilienmakler seine neuen Büros, in denen er bis heute mit neun Angestellten arbeitet. „Die Wende war ein Glücksfall für Kassel. Plötzlich hatten wir eine zentrale Lage. Als dann der IC Bahnhof eröffnete, gab es einen Wirtschaftsaufschwung, der sich auch in meiner Branche niederschlug“, erinnert sich der 70-Jährige.

30 Jahre später hat Putz oft mit dem Problem zu kämpfen, dass es viel Nachfrage aber wenig Angebote gibt. Er geht davon aus, dass die Kauf- und Mietpreissteigerungen in Kassel noch eine Weile anhalten werden. „Immobilien sind die einzige Anlage, die momentan verlässlich ist.“

Aber was macht einen guten Makler aus? „Wenn Sie ein Haus verkaufen wollen, müssen sie als Makler auch Psychologe sein.“ Denn Verkäufer hingen meist emotional an ihrer Immobilie und Käufer müssten dafür – etwa bei Besichtigungen – sensibilisiert werden. Zudem bekomme der Makler viel aus dem Privatleben der Menschen mit: Erbstreitigkeiten und Scheidungsdramen hat Putz schon einige erlebt – als diskreter Profi schweigt er zu den Details.

Um festzustellen, ob ein Interessent auch das nötige Geld hat, brauche es Menschenkenntnis. „Das merke ich sofort“, sagt Putz. Leider gebe es viele Menschen, die Häuser besichtigten, ohne zuvor ihre finanziellen Möglichkeiten mit der Bank geklärt zu haben. „Derjenige, der als Erster eine Finanzierungsbestätigung der Bank vorlegt, kommt bei uns zum Zug.“ Auf unmoralische Angebote habe er sich in all den Jahren nie eingelassen. „Wenn es mehrere Bieter gibt, entscheidet in Absprache mit dem Verkäufer im Zweifel das höhere Gebot. Aber wir sind auch nicht auf dem Basar.“

Noch bis März wird Putz in seiner Firma beratend tätig sein, dann will er sich mit seiner Frau unter anderem seiner eigenen Immobilie in Spanien widmen. (Bastian Ludwig)

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