Kasseler Betrieb ist Beispiel für gelungene Nachfolge

Fahrzeugteilehandel Erich Kersting unter neuer Führung

Sergej Zeiser (von links), Claudia Kersting-Grebe und Wilfried Grebe vom Fahrzeugteilehandel Erich Kersting in Kassel
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Nachfolger gefunden: Sergej Zeiser (von links) hat den Fahrzeugteilehandel Erich Kersting von Claudia Kersting-Grebe und ihrem Ehemann Wilfried Grebe übernommen.

Das Thema Nachfolge beschäftigt viele Unternehmen. Ein Beispiel für eine gelungene Übernahme ist die Kasseler Erich Kersting GmbH.

Kassel – Nach Jahren mit stetig abnehmendem Gründergeschehen gibt es in Hessen im Jahr 2019 erstmals wieder einen Anstieg. Das geht aus dem Gründerreport 2020 des Hessischen Industrie- und Handelskammertags und der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern hervor. Besonders in den Fokus gerückt ist demnach das Thema Nachfolge. Ein Beispiel für eine gelungene Übernahme ist die Kasseler Erich Kersting GmbH. Sergej Zeiser, der vor mehr als 20 Jahren als Praktikant bei dem Fahrzeugteilehandel angefangen hat, ist jetzt dessen Inhaber.

Als Zeiser im Alter von 20 Jahren aus Russland nach Deutschland kam, suchte er nach einer beruflichen Perspektive. In seiner Heimat hatte er als Berufskraftfahrer gearbeitet. In Kassel musste er von vorne beginnen. Claudia Kersting-Grebe und ihr Ehemann Wilfried Grebe entschieden sich 1998, ihm ein dreimonatiges Praktikum im Lager ihres Fahrzeugteilehandels Erich Kersting anzubieten.

Zeiser nutzte die Chance, zeigte „Engagement und Wille“, wie Claudia Kersting-Grebe sagt, bekam einen festen Job im Betrieb und arbeitete sich zum Kundenberater hoch. 22 Jahre später hat der inzwischen 45-Jährige die 20 Mitarbeiter zählende Firma übernommen.

Claudia Kersting-Grebe und Wilfried Grebe sind erleichtert, einen Nachfolger für das Familienunternehmen gefunden zu haben. Der Betrieb wurde 1926 von Kersting-Grebes Großeltern gegründet. Seit fast 20 Jahren leitet das Ehepaar den Fahrzeugteilehandel an der Mündener Straße, zu dem auch die Reparaturwerkstatt Herkules Fahrzeugbau gehört. „Wir haben schon seit einigen Jahren mit dem Gedanken gespielt, uns aus dem Geschäft zurückzuziehen“, sagt Kersting-Grebe.

Die 55-Jährige und ihr 63-jähriger Ehemann wollten aber nicht „an irgendwen“ verkaufen. „Uns ging es vor allem darum, einen Nachfolger zu finden, der die Firma in unserem Sinne und im Sinne unserer Mitarbeiter und Kunden weiterführt, also am besten an jemand aus den eigenen Reihen.“

Als Zeiser von den Plänen erfuhr, zögerte er nicht lang und schlug vor, den Betrieb zu übernehmen. „Der Wunsch, mich weiterzuentwickeln, war schon länger da“, sagt er. Da habe er die Chance beim Schopf gepackt. Bedenken wegen der Coronakrise habe er keine gehabt. „Es gab in den vergangenen Jahren immer Höhen und Tiefen. Und wir haben trotzdem weitergemacht“ meint er. „Das ist sicher kein so glücklicher Zeitpunkt, aber wir haben ein starkes Team“, sagt auch Wilfried Grebe. Viele der Mitarbeiter seien schon seit vielen Jahren im Betrieb. Seit Kurzem zählt auch Zeisers Sohn zu ihnen.

Das Ehepaar Kersting-Grebe ist überzeugt davon, dass eine neue Geschäftsleitung auch neue Ideen einbringt. „Die braucht es auch in einer Phase des Wandels in unserer Branche, etwa durch die E-Mobilität“, sagt Wilfried Grebe. Auch deshalb wollen er und seine Frau „nicht festhalten“, wie sie sagen. „Sergej weiß, dass es Ideen, Rückhalt und harte Arbeit braucht“, sagt Grebe. „Er kann auf uns und unsere Erfahrung zurückgreifen, wenn er will. Das muss er aber nicht“, betont der 63-Jährige.

Hintergrund: Im Jahr 2019 gaben die Gründungsberater der IHK Kassel-Marburg insgesamt 1400 telefonische oder persönliche Auskünfte. Das geht aus dem Gründerreport 2020 hervor. Ein Jahr zuvor waren es 1231. Die persönlichen Beratungstermine stiegen von 501 auf 523. Davon entfielen 760 auf die Berater in Stadt und Landkreis Kassel, 233 im Landkreis Waldeck-Frankenberg und 230 in Marburg. Es folgen die Landkreise Hersfeld-Rotenburg (85), Werra-Meißner (53) und Schwalm-Eder (39). Alle Kommunen eint laut IHK, dass die meisten Gründungsinteressierten sich mit weitem Abstand in den Dienstleistungsbranchen oder im Handel selbstständig machen wollen.

Von Nicole Schippers

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