Auf Schutzsysteme spezialisiert

Von Alu-Dach bis Elektrozaun: Firmen in Kassel bieten Schutz vor Waschbären an

Kassel. Kassel ist als Hauptstadt der Waschbären bekannt. Firmen lassen sich verschiedenste Möglichkeiten einfallen, um Häuser vor den Allesfressern zu schützen.

„Natürlich waschbärsicher!“ heißt es neuerdings auf Großplakaten an Kasseler Straßen. Prefa, ein Hersteller von Aluminium-Dächern, macht damit in Europas Waschbären-Hauptstadt Kassel auf sich aufmerksam. Die Firma aus dem thüringischen Wasungen erhebt das Waschbär-Problem in und um Kassel zum Geschäftsmodell. Die Verheißung: Weil alle Dachplatten, -rauten oder -schindeln einzeln befestigt werden, finden Tiere keinen Weg ins Hausinnere. „Somit ist das Dachkleid aus Aluminium nicht nur sturmfest, sondern auch waschbärsicher“, heißt es auf der Prefa-Homepage.

Soll Waschbären keine Chance zum Eindringen bieten: Das Dach dieses Herstellers, der mit großen Plakaten in Kassel für seine Produkte wirbt. Unser Foto entstand an der Wolfhager Straße.

Die Waschbärsicherheit, die jetzt eine auswärtige Firma entdeckt hat, praktizieren Unternehmen aus der Region schon länger. Die Firma H. Rudolph Dacheindeckungen GmbH im Kasseler Schwanenweg zum Beispiel bietet Hausbesitzern schon seit Jahrzehnten Lösungen für ihre Waschbärprobleme an. Die Anfragen dafür seien recht häufig, etwa alle zwei drei Wochen, berichtet ein Mitarbeiter. Meistens kommen die Leute aber erst dann, wenn sich die Tiere schon bei ihnen eingenistet haben. Oft reiche es bereits aus, die Dachrinnen gegen das Hochklettern der Waschbären abzusichern. „Die Maßnahmen und damit auch die Kosten hängen aber von dem jeweiligen Objekt ab.“

Viele weitere Unternehmen in der Stadt werben inzwischen mit Diensten zum Schutz gegen Waschbären beziehungsweise zur Bekämpfung der Tiere. Das zeigt allein eine kurze Suchanfrage im Internet. Längst haben sich die Allesfresser in allen Kasseler Stadtteilen verbreitet, auch im Landkreis Kassel sind die meisten Städte und Gemeinden betroffen. Das bedeutet ein riesiges Potenzial für die Produkte und die Dienste rund um den Waschbären.

Nach Einschätzung der Experten lässt sich im Prinzip jedes Haus gegen Waschbären schützen. Letztlich ist alles eine Frage des Aufwandes und der Kosten. Zur Auswahl stehen unter anderem baulich-mechanische Systeme (zum Beispiel Kletterschutz) und elektrische Systeme (etwa Kabel und Zäune).

Für manche Firma in der Region hat sich der Waschbärschutz vom Zuverdienst zum weiteren finanziellen Standbein entwickelt. Frank Becker etwa, der in Wahlershausen einen Forstbetrieb führt, berichtete, dass er etwa die Hälfte seines Geschäfts inzwischen mit seinen patentierten Waschbärschutzsystemen erwirtschafte. 

Stromschlag hält Tiere ab - Schutzsystem mit Patent

Bringt eine Kabel an der Dachrinne an: Waschbär-Experte Frank Becker

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Frank Becker mit dem Schutz vor Waschbären. Der Jagdaufseher und Leiter eines Forstbetriebs in Wahlershausen hat vielen Betroffenen geholfen und sein Wissen bereits Behörden in Japan vermittelt. Frank Becker hat sich zwei Systeme als Waschbärschutz patentieren lassen: 

Mechanischer Schutz: Der Kletterschutz verhindert, dass Waschbären über Fallrohre und Hausecken auf das Dach gelangen. Auf den Rohren wird eine mindestens ein Meter lange Kunststoff-Abdeckung (Polikarbonat) befestigt, die der Waschbär nicht umfassen kann und daher abrutscht (ab 75 Euro).

Elektrischer Schutz: Die Elektro-Zaunanlage beinhaltet eine Verkabelung an Regenrinnen, Hausecken und Dachkanten sowie einen Trafo, den Becker mit einer Elektrofirma entwickelt hat. Beim Versuch, die Kabel zu überwinden, kriegen die Tiere einen Stromschlag (ab 800 Euro).

Mehr Infos: www.waschbaerschutz.de

Hintergrund: 

Schonzeit gilt seit 2016 in Hessen

Die Schonzeit für Waschbären ist unter Jägern und Tierschützern nach wie vor umstritten. Jäger halten die Einschränkung für einen Fehler und erachten die Jagd (Fangjagd mit Fallen) als einzige Möglichkeit, die Zahl der Tiere zu begrenzen. Die Tierschützer hingegen lehnen die Tötung von Tieren prinzipiell ab. Wenn die Reduzierung der Tiere notwendig erscheint, dann sprechen sie sich für eine Unfruchtbarmachung aus. Die Schonzeit für Waschbären gibt es seit dem Jahr 2016 in Hessen, in vielen anderen Bundesländern und im Bund gibt es sie nicht. Das Fang- und Abschussverbot gilt von Anfang März bis Ende Juli in Hessen , um die Waschbären bei der Aufzucht ihrer Jungen in Ruhe zu lassen. Allerdings gelten die Schonzeiten auch in Hessen nicht für sogenannte befriedete Bezirke, darunter zählen etwa Wohngebiete und Friedhöfe. Jagdaufseher lehnen es aber meist ab, in dieser Zeit Fallen aufzustellen, weil zu viele Muttertiere mit Jungen unterwegs sind.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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