Start mit der Hochschule im Oktober 1971

Von Anfang an für Kassels Studenten da: Studierendenwerk wird 50

Die erste Mensa: Im Aufbau- und Verfügungszentrum in Oberzwehren wurden 1972 bereits 600 Essen pro Tag ausgegeben. Eine richtige eigene Küche gab es aber erst ab 1977.
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Die erste Mensa: Im Aufbau- und Verfügungszentrum in Oberzwehren wurden 1972 bereits 600 Essen pro Tag ausgegeben. Eine richtige eigene Küche gab es aber erst ab 1977.

Nicht nur die Uni Kassel feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen: Untrennbar mit ihr verbunden ist das Studentenwerk. Am 15. Oktober 1971 nahm es seine Arbeit auf.

Kassel – Die Kasseler Bevölkerung musste sich vor 50 Jahren erstmal daran gewöhnen, dass es in ihrer Stadt nun auch Studenten gab. Wer Cordhose, Bart und lange Haare trug, hatte es Anfang der 1970er-Jahre schwer bei der Suche nach einem Zimmer, wie unsere Zeitung seinerzeit berichtete. Gegenüber den Mitgliedern der neuen Gesamthochschule (GhK) mit ihren Reformideen gab es damals durchaus Vorbehalte.

An der Seite der Studenten war von Anfang an das Kasseler Studentenwerk, das zeitgleich mit der Gesamthochschule gegründet wurde. Heute vor 50 Jahren nahm es seine Arbeit auf. Seinen Sitz hatte es damals am Königstor, wo neben einer der ersten Cafeterien auch eine Studentenarztstation für die gesundheitliche Versorgung eingerichtet war. Das heutige Motto „Damit Studieren gelingt“, war auch damals schon Mission der 22 Mitarbeiter, mit denen das Studentenwerk an den Start ging. Essen, Wohnraum und Beratung sind seit jeher die Aufgabenfelder der Einrichtung, die gewissermaßen für die soziale Seite des Hochschullebens zuständig ist.

Sozialberatung in den 70ern: Wolfgang „Tom“ Ackermann (rechts) von Studentenwerk im Gespräch mit einem Studenten.

Auch für die Versorger der Studenten war damals der Anfang nicht leicht. So gab es 1971 zum Start in das erste Ghk-Semester mit knapp 3000 Studenten weder ein Wohnheim noch eine eigene Mensa. Am neu gebauten Aufbau- und Verfügungszentrum (AVZ) in Oberzwehren gab es zwar eine Essensausgabe mit 500 Plätzen für die Mittagspause, aber noch keine richtige Küche. So wurden die Mahlzeiten aus Peckelsheim bei Warburg gebracht und mussten am Vortag mit dem Kauf einer Essensmarke bestellt werden. In dem Provisorium gingen schon bald 600 Essen am Tag über die Theke. „Kleine, schnelle Essen“ wurden auf Hockerkochern vor Ort improvisiert. Erst 1977 war aber mit Fertigstellung der Mensa endgültig Schluss mit „Folienessen“. 1,70 D-Mark (umgerechnet 80 Cent) kostete seinerzeit ein Mittagessen für Studenten, 2,70 DM für Dozenten.

Auch die Schaffung von studentischem Wohnraum nahm langsam Fahrt auf: 1973 eröffnete das erste Wohnheim an Kölnischen Straße, in den Räumen über der damaligen Studentenkneipe „Zum Hobel“ (heute: „Podium“). 35 Einzel- und Doppel-Zimmer standen zur Verfügung, möbliert und mit Zentralheizung sowie Gemeinschaftsduschen. Der Großteil der damaligen Studenten war auf privaten Wohnraum angewiesen, bei dessen Vermittlung die Mitarbeiter des Studentenwerks mit den Vorurteilen der Vermieter zu kämpfen hatten.

Die Wohnungsnot zu Semesterbeginn ist in der Uni-Stadt bis heute alle Jahre wieder Thema. Ihren Gipfel fand sie in den 1990er-Jahren nach der Wiedervereinigung, als Kassel und seine Uni ins Zentrum Deutschlands rückten und die Mietpreise stark stiegen. Mit dem „Haus vom Nikolaus“ auf Plakaten, in Anzeigen und in der Kinowerbung trommelte das Studentenwerk damals dafür, dass kein Student ohne Obdach bleiben musste.

Studentenbude aus den 70ern: Das Bild entstand vermutlich im ersten Wohnheim an der Kölnischen Straße.

Ebenso macht es 1996 mit Pauken und Trompeten gegen die drohende Streichung der Mensazuschüsse mobil, die das Land Hessen plante. Während in Wiesbaden demonstriert wurde, gab es in den vier Kasseler Mensen einen Tag lang Kartoffelpuffer mit Apfelmus – um zu zeigen, wofür das Geld künftig gerade noch reichen würde. Der Protest zeigte Wirkung und bis heute kann das Studierendenwerk, wie es sich seit 2019 nennt, dank der Zuschüsse günstiges Essen für Studenten anbieten.

Auch die Beratungsangebote sind vom ersten Tag an bis heute gefragt: Eine Kasseler Besonderheit war ab 1974 die „Studienberatung im Team“, die damals bundesweit einmalig war: Vertreter von Arbeitsamt, GhK, Asta und Sozialberatung des Studentenwerks erörterten dabei mit ihrem Gegenüber die individuellen Studien- und Berufsperspektiven. Ein Beratungsschlüssel, der aus heutiger Perspektive wie Luxus wirkt. „Über vieles, was man heute googeln kann, musste man sich damals persönlich informieren“, so Brigitte Schwarz vom Studierendenwerk.

Apropos Betreuungsschlüssel: Seit 15 Jahren darf das Studierendenwerk auch Kinderbetreuung anbieten. 104 Plätze stehen heute in den Kitas für den Nachwuchs aus dem Uni-Umfeld bereit. Vielleicht spielen da die Studenten von morgen. (Katja Rudolph)

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