Termin buchen im Internet

Von den Wienern lernen: In Österreich sind kostenlose Coronatests bereits Alltag

Österreichisches Testzentrum
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In den österreichischen Testzentren werden die Getesteten in die Abläufe eingebunden.

Während es in Kassel nur schleppend anläuft mit den kostenlosen Coronatests, zeigt ein Besuch in Wien, wie das Testen ohne viel Bürokratie funktionieren kann.

Dort lassen sich pro Tag etwa 30.Buc000 Menschen testen – und erhalten direkt ihr Ergebnis. Dabei können sich nicht nur Österreicher kostenlos testen lassen, sondern jeder, der sich gerade in Wien aufhält. Dazu wird niemand angeschrieben, es wird auch nicht kontrolliert, wer sich wie oft testen lässt. Die Menschen kommen freiwillig: bevor sie in die Schule und zur Arbeit gehen oder sich mit Freunden treffen.

Das Verfahren ist einfach: Im Internet bucht man einen Termin. Das dauert etwa eine Minute und geht auch unmittelbar vor dem Testen. Man erhält einen QR-Code, den man auf dem Handy vorzeigt. Jetzt noch Ausweis und Versichertenkarte vorlegen, und schon geht es los. Jeder wird einer Teststraße zugewiesen, auf der vier Stationen zu durchlaufen sind: 1. Strichcode entgegennehmen. 2. Nasen/Rachen-Abstrich machen lassen. Dann das Teststäbchen eine Minute lang in Flüssigkeit rühren. 3. Testkit mit der Uhrzeit entgegennehmen und 15 Minuten bis zur angegebenen Zeit an einem Stehtisch warten. 4. Das Ergebnis verifizieren lassen und die schriftliche Bestätigung erhalten. Fertig. Das Ganze dauert 19 Minuten.

Überrascht sind die in Wien weilenden Kasseler vor allem an Station zwei, an der ihnen nach dem Abstrich das Teststäbchen in die Hand gegeben wird. „Bitte rühren und drücken Sie eine Minute und gehen dann damit zur nächsten Station“, heißt es. Dort erhalten die Getesteten nach dem Tropfen auf das Ablesefeld auch das Testkit, auf das noch die vorgeschriebene Ablesezeit in 15 Minuten geschrieben wurde. Auf einem Hygienepapier trägt anschließend jeder sein Testkit zum nächsten Stehtisch, um dort auf das Erscheinen der Testmarkierung zu warten.

Das Prinzip ist dabei gut zu erkennen: Nicht Entmündigung durch Rundumversorgung, sondern Verantwortung durch Beteiligung. „Wir wollen die Menschen einbinden, sie wollen auch selbst Verantwortung tragen“, sagt der Teamleiter des Samariterbunds, der das Testzentrum betreibt.

200 Menschen arbeiten dort sieben Tage pro Woche. Medizinisches Personal wird nur an der Abstrich-Station benötigt. Die restlichen Stationen sind mit angelernten Kräften besetzt. „Das sind vor allem Menschen aus der Gastronomie, die wegen Corona ihren Job verloren haben“, berichtet der Teamleiter. „Sie sind Kundenkontakte gewöhnt und bekommen von uns Arbeitsverträge von stundenweise bis Vollzeit.“

Unser Autor Holger Schindler (65) hat bis 2016 in der Landkreis-Redaktion gearbeitet. Nun war er beruflich in Wien und begeistert von den Testmöglichkeiten.

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