Attentat auf das österreichische Thronfolgerpaar vor 100 Jahren

Beginn des 1. Weltkriegs in Kassel: Kaiser weiter zu Gast auf der Wilhelmshöhe

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Vorbereitungen für den Einsatz im Krieg: Aus dem Sommer 1914 stammt diese Aufnahme. Am Altmarkt wurden damals Pferde zum Abtransport gesammelt. Im Hintergrund ist die Fuldabrücke mit dem Kastell (heute Haus der Jugend) zu sehen. Foto:  Stadtmuseum/nh

Kassel. Vor 100 Jahren wurde das Attentat auf das österreichische Thronfolgerpaar in Sarajevo zum Auslöser für den 1. Weltkrieg. Wir blicken zurück auf die Situation und die Stimmung in Kassel, wo Kaiser Wilhelm II. auf Schloss Wilhelmshöhe seine Sommerresidenz hatte.

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Die Nachrichten aus Sarajevo klangen bedrohlich. Was würde der Kaiser dazu sagen? Zu ihm hatten die Kasseler eine besondere Beziehung. Immerhin hatte Wilhelm II. seine Sommerresidenz auf der Wilhelmshöhe. Nach dem Attentat auf den österreichischen Kronprinzen Franz-Ferdinand vom 28. Juni wurde sofort über die möglichen Folgen und einen drohenden Krieg spekuliert. Ende Juli spitzte sich die Lage immer mehr zu. In der Murhardschen Bibliothek kann man die Zeitungen von damals nachlesen. Die Casseler Allgemeine Zeitung berichtet über eine Ansprache von Kaiser Wilhelm II. im zeittypisch patriotischen Tonfall.

Berichterstattung über das Attentat: Die Titelseite der Casseler Allgemeinen Zeitung vom 1. Juli 1914.

Die Worte des Kaisers in Berlin seien von Tausenden Zustimmungsrufen nahezu übertönt worden, heißt es in dem Artikel. „Man drückt uns das Schwert in die Hand“, sagte demnach der Kaiser. Es folgt eine Kampfansage: Den Gegnern werde man zeigen, was es heißt, Deutschland anzugreifen. „Jetzt geht in die Kirche und kniet nieder vor Gott und bittet ihn um Hilfe für unser braves Heer.“

Anzeige aus der Casseler Allgemeinen Zeitung: Trauerbekleidung war schon im August 1914 gefragt. Repros  Siemon

Anfang August waren Tausende von Soldaten vom Kasseler Hauptbahnhof in den Krieg gezogen. Viele von ihnen hatten sich freiwillig gemeldet. Auch in Kassel wollten die Menschen an einen schnellen Sieg glauben - eine gravierende Fehleinschätzung. Bereits in der zweiten Augustwoche ist in der Zeitung eine Anzeige des Bekleidungsgeschäfts Arthur Wertheim zu lesen. Dort konnte man „Trauerhüte, Trauerkleider, Trauerröcke und Trauerblusen“ kaufen. Der Bedarf war sprunghaft gestiegen. Beim Sturm auf Lüttich am 6. August 1914, bei dem 20.000 Soldaten starben, erlitt auch eines der Kasseler Regimenter hohe Verluste.

Obwohl der Weltkrieg von Jahr zu Jahr mehr Opfer forderte, blieb der Kaiser als Oberbefehlshaber der deutschen Truppen seiner Routine treu. Seine Sommeraufenthalte im Bergpark Wilhelmshöhe setzte er fort.

Von Thomas Siemon

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