Kameradschaft erinnert an 2. Panzergrenadierdivision

Vor 20 Jahren verschwand die Bundeswehr aus Kassel

Letzter Appell: Am 18. März 1994 waren 900 Gäste ins Staatstheater Kassel gekommen. Die 2. Panzergrenadierdivison wurde aufgelöst, Ende März endete deren Geschichte nach 38 Jahren in einer der ehemals größten Garnisonsstädte. Archivfoto: Herzog

Kassel. Der totale Abzug war Ende 1992 beschlossene Sache. Vor 20 Jahren verschwand die Bundeswehr weitgehend aus der Garnisonsstadt Kassel, die einst mit 3200 Soldaten einer der größten Standorte Deutschlands war.

Zurück blieben noch eine Handvoll Uniformierte des Verteidigungsbezirkskommandos 44, die Soldaten des Heeresmusikkorps 2 und die Bundeswehrfachschule.

Am 31. März 1994 wurde die am 1. Juli 1956 aufgestellte 2. Panzergrenadierdivision endgültig aufgelöst. Sie war einst mit 22 000 Mann der stärkste Bundeswehrverband in der Zeit des Kalten Krieges. Die Aufgabe: Im Zentrum des möglichen Ost-West-Konflikts an der innerdeutschen Grenze einen Durchbruch der Truppen des Warschauer Pakts zu verhindern. Doch dieser Auftrag hatte sich mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Untergang der Sowjetunion erledigt.

Am 15. September 1993, ein halbes Jahr vor der offiziellen Außerdienststellung, gründeten damalige Offiziere und Unteroffiziere der Division eine Kameradschaft. Die Soldaten zwischen Lahn und Leine – so verteilten sich damals die Kasernen in Nord- und Mittelhessen sowie Südniedersachsen – nennen sie bis heute liebevoll „die Zwote“.

www.kameradschaft-zweite-division.de

Die Erinnerung an den ehemaligen Großverband und die Kasseler Jäger ist bis heute lebendig. Dafür sorgt auch die Kameradschaft der 2. Panzergrenadierdivision, ein eingetragener Verein mit 110 Mitgliedern vom ehemaligen Gefreiten bis zum General außer Dienst. Der heutige langjährige Vorsitzende, Oberst der Reserve Gerd Reinecker, diente damals als Wehrpflichtiger und später als Wehrübender im Bereich der Division.

2. Panzergrenadierdivision verschwand vor 20 Jahren aus Kassel

Letzter Appell: Am 18. März 1994 waren 900 Gäste ins Staatstheater Kassel gekommen. Die 2. Panzergrenadierdivison wurde aufgelöst, Ende März endete deren Geschichte nach 38 Jahren in einer der ehemals größten Garnisonsstädte. © Herzog/Archiv
Abschied mit Flussfahrt: Im September 1992 bot die Panzerpionierkompanie 40 den Gästen der Abschiedsfeier vor der endgültigen Auflösung im Frühjahr 1993 Fahrten mit dem Transportpanzer Fuchs in der Fulda. © Schachtschneider/Archiv
Feierliches Gelöbnis vor der Ruine: Das Bild entstand 1975. Die im Krieg schwer beschädigte Orangerie in der Karlsaue war erst zur Bundesgartenschau 1981 wieder aufgebaut worden. © nh
April 1957:Die ersten Wehrpflichtigen treten ihren damals zwölfmonatigen Grundwehrdienst bei den Truppenteilen der 2. Panzergrenadierdivision in Kassel an. Das Bild zeigt die Begrüßung der ersten wehrpflichtigen Rekruten am Abend des Einberufungstages beim Grenadierbataillonskommandeur, Oberstleutnant Schulz (links) in der Wittichkaserne. © Carl Eberth/Archiv
Die Marbachshöhe früher: Unten im Bild die Hindenburgkaserne, oben die Wittichkaserne, rechts die Druseltalstraße. Heute ist das Gelände ein beliebtes Wohnquartier, ein Teil wird als Technologie- und Gründerzentrum genutzt. © Herzog/Archiv
Brückenbauer:Soldaten zeigen bei einer öffentlichen Vorführung, wie sie innerhalb von nur drei Minuten eine Panzerschnellbrücke verlegen können. © Herzog/Archiv
Der letzte Panzer:Im Februar 1994 fährt der letzt Flugabwehrpanzer Gepard vom Gelände der Kasseler Hindenburgkaserne. Das Gebäude rechts im Bild ist heute Teil des Gründerzentrums auf dem ehemaligen Kasernengelände.Herzog/Archiv © 
Bataillonsappell 1977 mit dem damaligen hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner zur Feier 20 Jahre Wittichkaserne in Kassel. © 
Jägerkaserne der Bundeswehr in Kassel im Jahr 1958. © 
Der letzte Appell der "Kasseler Jäger": Mit einem Großen Zapfensteich vor der Orangerie wurde im März 1994 die 2. Panzergrenadierdivision verabschiedet. © 
2001: Die ersten Soldatinnen. © 

Traditions- und Kameradschaftspflege in Verbindung mit Vorträgen und Besuchen kultureller Einrichtungen, Wanderungen in der Region Kassel und natürlich auch geselliges Beisammensein nennt Reinecker als Ziele des Vereins. Auch die Fürsorge und Hilfestellung bei akuten Problemen ehemaliger Soldaten und Bediensteter spielt eine wichtige Rolle. 

Von Jörg Steinbach

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