Andrea Kocsis (Verdi) war Hauptrednerin auf dem Königsplatz

Kundegebung zum 1. Mai: „Vor dem Virus sind nicht alle Menschen gleich“

Kundgebung auf dem Königsplatz: Etwa 350 Frauen und Männer nahmen am Samstag bei der Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Kassel teil.
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Kundgebung auf dem Königsplatz: Etwa 350 Frauen und Männer nahmen am Samstag bei der Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Kassel teil.

Rund 350 Menschen waren am Samstag bei der Kundgebung zum 1. Mai auf dem Kasseler Königsplatz dabei.

Kassel - Nach der Kundgebung auf dem Königplatz ist es am 1. Mai eigentlich üblich, dass die Demonstranten gemeinsam zur Drahtbrücke an die Fulda ziehen, um dort den Tag der Arbeit mit Bratwurst und Bier ausklingen zu lassen. In diesem Jahr hat die Pandemie diesem Beisammensein einen Strich durch die Rechnung gemacht. Allerdings nicht der Kundgebung auf dem Königsplatz.

Rund 350 Frauen und Männer besuchten am Samstag die Veranstaltung, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ eingeladen hatte. Mit Kreide gemalte Kreuze auf dem Platz sollten für genügend Sicherheitsabstand sorgen. Jenny Huschke, Vorsitzende des DGB Kreisverbands Kassel, begrüßte auch alle Arbeitnehmer, die nicht persönlich auf dem Königsplatz erschienen waren, sondern die Kundgebung per Livestream verfolgten. „Solidarität heißt in diesen Zeiten auch, Abstand zu halten“, so Huschke.

Die Pandemie spielte auch eine tragende Rolle in dem Beitrag der Hauptrednerin Andrea Kocsis, stellvertretende Vorsitzende von Verdi. „Vor dem Virus sind nicht alle Menschen gleich“, sagte Kocsis. Die bürgerliche Oberschicht kämpfe im sterilen Homeoffice wohl eher mit der richtigen Netzgeschwindigkeit, während Verkäufer, Busfahrer, Zusteller, Beschäftigte in Erziehung und Pflege sich hingegen jeden Tag mit dem Virus anstecken könnten. „Von den ungleichen Folgen eingeschränkter Bewegungsfreiheit und den ungleichen sozialen Risiken der Wirtschaftskrise ganz zu schweigen.

Besserverdienende können häufig ohne Gehaltseinbußen von zu Hause weiterarbeiten, während Geringverdienende auf Kurzarbeit gesetzt oder entlassen werden.“ In der Krise seien „die Defizite unseres Sozialstaats schonungslos offengelegt“ worden. Niedriglohnempfänger und Teilzeitbeschäftigte könnten vom niedrigen Kurzarbeitergeld kaum leben. Deswegen würden die Gewerkschaften weiterhin für ein Mindestkurzarbeitergeld kämpfen.

Kämpferisch gaben sich auch Celine Lessart und David Bösl, die ein Grußwort für die DGB Jugend sprachen. In Deutschland fehlten 160 000 Pflegekräfte, so Lessart. Das habe zur Folge, dass Menschen, die in Gesundheitseinrichtungen arbeiten, völlig überlastet seien. Zudem seien die Arbeitsbedingungen unattraktiv, sodass immer weniger junge Menschen diese Berufe ergreifen würden. „Gesellschaftlich unverzichtbare Berufe müssen aufgewertet werden. Wir brauchen bessere Löhne und Ausbildungsbedingungen“, forderte Lessart.

Zum 1. Mai gehört auch „Die Internationale“. Zum Abschluss wurde das Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung von Liedermache Hans Dinant vorgetragen. Unterm Mundschutz wurde mitgesungen. Und Jenny Huschke gab sich zuversichtlich, dass man nächstes Jahr nach der Kundgebung wieder gemeinsam an die Fulda ziehen könne. (Ulrike Pflüger-Scherb)

Hauptrednerin: Andrea Kocsis (Verdi).

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