Bewährungsstrafe für 39-Jährigen

Vor Gericht: Wilde Verfolgungsjagd durch die Stadt

Kassel. Bei einer wilden Hatz durch die Stadt ist ein 39-Jähriger mit bis zu 150 Stundenkilomentern durchs nächtliche Kassel gebrettert und wurde dabei von der Polizei verfolgt.

Der Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt. "Der ist jenseits von gut und böse, ohne zu bremsen, über rote Ampeln gefahren. Das war echt übel.“ Mit drastischen Worten schilderte ein 43-jähriger Polizeibeamter vor Gericht die Verfolgungsjagd, die er vom Beifahrersitz seines Streifenwagens aus erlebt hatte.

Dafür bekam der Mann am Donnerstag die Quittung: Amtsrichterin Jana Ferchland verurteilte den selbstständigen Bauunternehmer zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Außerdem muss er 2000 Euro Geldstrafe an eine gemeinnützige Organisation zahlen und darf seinen Führerschein frühestens in einem Jahr wiederbekommen.

Familienvater auf der Anklagebank

Auf der Anklagebank hatte kein jugendlicher Heißsporn Platz genommen, sondern ein eher gemütlich wirkender, etwas moppeliger Familienvater, der seine Frau und zwei Kinder mit seinem Ein-Mann-Unternehmen ernährt.

In der Nacht zum Mittwoch, 24. Februar 2016, sei er kurz vor Mitternacht von einer Baustelle kommend mit einem Freund in Richtung Innenstadt unterwegs gewesen, berichtete er. Dabei war er wohl etwas schnell, weil er nach Hause wollte. Einer Polizeistreife fielen ein rasantes Abbiegemanöver und ein kaputtes Bremslicht auf.

Als die Beamten ihn per Lichtzeichen stoppen wollten, trat der Mann voll aufs Gaspedal seines Audi A4: Über Friedrich-Ebert-Straße und Fünffensterstraße ging es mit 120 Sachen, drei rote Ampeln wurden missachtet. Über den zum Glück verkehrsfreien Altmarkt und die Fuldabrücke führte die rasende Fahrt zum Kreisel, der mit hohem Tempo durchpflügt wurde, ein KVG-Bus wurde geschnitten, der eine Notbremsung machen musste.

Auto wurde über das Kennzeichen ermittelt

„In den Kurven konnte ich mit dem Zafira aufschließen, aber auf den Geraden ist der Audi mir mit 150 gnadenlos davongefahren“, sagte der Fahrer des 160 PS starken Streifenwagens als Zeuge.

An der Einmündung Lilientalstraße knallten Audi und Streife zusammen. Doch die Flucht ging weiter durch Lohfelden nach Wellerode, wo die Polizisten den Flüchtigen verloren. Am nächsten Tag wurde er über das Kennzeichen des auf seine Frau zugelassenen Wagens ermittelt.

„Was haben Sie sich nur dabei gedacht? Das ist doch reiner Zufall, dass nicht mehr passiert ist“, fragte Richterin Ferchland. Er habe Angst vor dem Verlust des Führerscheins und damit seiner Existenz gehabt, zumal er wegen Trunkenheit und zu schneller Fahrt vorbelastet sei, sagte der zerknirschte Angeklagte. Nach dem Urteil entschuldigte er sich bei den Polizeibeamten.

Rubriklistenbild: © dpa

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