Vor der WM-Begegnung Deutschland-Schweden

Ihr Herz schlägt für beide Länder: Schwedin Ilona Mehlhorn lebt seit 20 Jahren in Kassel

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Ist als Austauschschülerin gekommen: Ilona Mehlhorn (im Bild mit ihrer vier Monate alten Tochter Wilma) lernte 1998 in Kassel ihren heutigen Ehemann Philipp kennen. Kennzeichnend für Schweden sind für Mehlhorn die Geschichten von Astrid Lindgren.

Kassel. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schweden Deutschland schlagen“, sagt Ilona Mehlhorn. „Deutschland gewinnt – wir reden hier schließlich von Fußball und nicht von Eishockey.“

Und wenn es dann doch nicht so kommen sollte, tut es Ilona Mehlhorn nicht ganz so weh. „Ich mag beide Länder“, sagt die 38-Jährige. Mehlhorn ist gebürtige Schwedin und lebt aber mittlerweile schon zwanzig Jahre in Deutschland.

Ihrem Ehemann Philipp ist allerdings nicht egal, wer heute gewinnt. „Der ist im Gegensatz zu mir ein echter Fußball-Fan und fiebert richtig mit“, sagt Ilona Mehlhorn. Am liebsten würde er wahrscheinlich in unserem Wohnzimmer eine große Leinwand aufstellen und mich in ein Schweden-Trikot stecken.

„Das letzte Mal, dass ich ein Schweden-T-Shirt anhatte, war während der WM 2006“, erinnert sie sich. Deutschland siegte 2:0 gegen Schweden. Mehlhorn lebte damals in Hamburg und schaute dort das Spiel. Auf dem Heimweg wurden mir dann Sprüche hinterhergerufen wie „Wohnst du noch oder packst du schon“ – angelehnt an den Werbeslogan des schwedischen Möbelhauses Ikea. Die Deutschen seien in solchen Situationen gnadenlos.

Kennengelernt haben sich die Mehlhorns bereits vor zwanzig Jahren. Damals war Ilona Mehlhorn als Austauschschülerin ein Jahr an der Kasseler Waldorfschule. „Die Wahl fiel damals auf Kassel, weil meine Tante hier wohnt“, erzählt Mehlhorn. Mehlhorns Mutter ist Deutsche, weshalb sie viele Verwandte in Deutschland hat. Dass sie einmal selbst dort wohnen würde, konnte sich die gebürtige Stockholmerin damals noch nicht so recht vorstellen. „Als ich dann aber hier war, war ich sofort begeistert“, sagt Ilona Mehlhorn.

Ihre Eltern und ihre Schwester wohnen immer noch in der Nähe von Stockholm. Obwohl Mehlhorn Deutschland mag, vermisst sie doch einige Dinge. Typisch für Schweden sind für sie die Astrid Lindgren Filme, da gibt es in Deutschland nichts Vergleichbares, und das schwedische Lucia-Fest. Das Lichterfest wird immer am 13. Dezember gefeiert. „Die Atmosphäre ist eine ganz besondere“, sagt Mehlhorn. In Schweden ist es auch üblich, dass sich alle mit Vornamen ansprechen. Das deutsche Siezen ist für Mehlhorn noch immer ungewohnt.

Mittlerweile denkt und träumt die 38-Jährige auf Deutsch. „Stockholm ist meine Heimat, aber in Kassel bin ich Zuhause“, sagt sie. Was ruft man in Schweden, um die Mannschaft anzufeuern? Da muss Mehlhorn nicht lange überlegen: „Sassa brassa mandelmassa, heja heja heja!“ Wirklich übersetzen kann man diesen Ausruf nicht ins Deutsche, aber er ist Mehlhorn auch nach zwanzig Jahren in Deutschland noch immer in Erinnerung. Ob sie ihn heute ruft, da ist sie sich noch nicht so sicher.

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