Optische Zeitreise:

125 Jahre altes Gebäude bekommt ursprüngliches Aussehen wieder

Die Platten kommen ab: Die Fassade wird wieder freigelegt und instand gesetzt. Auch der Turm wird rekonstruiert.

Vorderer Westen. Der Altbau an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße / Querallee hat eine wechselvolle Geschichte.

Das 1890 erbaute Haus hatte den Krieg überstanden und sollte dann doch dem Glauben an die Modernität geopfert werden. Vor 45 Jahren war der Abriss geplant. Dieses Schicksal blieb ihm dann doch erspart. Stattdessen wurde das Haus, in dem die Pizzeria „Pinocchio“ zu Hause ist, 1971 seiner Fassade beraubt und mit Platten verkleidet. Nun erhält das Gebäude wieder seine ursprüngliche Optik.

Der Kasseler Architekt Meinrad Ladleif hat auf Basis alter Fotos und Dokumente die ursprüngliche Fassade des Hauses Friedrich-Ebert-Straße 96 rekonstruiert. Diese ist zwar im Grunde bis heute unter der Verkleidung erhalten, allerdings wurden sämtliche Zierelemente und Fenstersimse vor der Montage der Platten abgeschlagen. Entsprechend aufwendig sind die Arbeiten, die auch den Wiederaufbau der nicht mehr erhaltenen Turmspitze umfassen.

Nächste Woche beginnt die umfassende Sanierung mit dem Aufbau des Gerüsts. Bis zum Abschluss der Arbeiten Ende Juli sind ausschließlich Firmen aus der Region damit beschäftigt, dem einst repräsentativen Haus wieder seinen Glanz zu verleihen.

Begonnen hat dessen Geschichte 1890, als der Bauunternehmer Carl Zulehner (1844-1922) den Bau fertigstellte. Zulehner war von dem Kasseler Kaufmann Sigmund Aschrott (1826-1915), dem Gründer des Vorderen Westens, nach Kassel geholt worden. Zulehner baute unter anderem die Hausnummern 96 und 94 an der damaligen Hohenzollernstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße). Die 94 wurde nach dem Krieg abgerissen.

1891 Restaurant im Asia-Stil

Um die Jahrhundertwende: Dieses Foto zeigt das ursprüngliche Aussehen des Eckhauses an der Friedrich-Ebert-Straße (früher Hohenzollernstraße) / Ecke Querallee. An der Ecke gegenüber gibt es zu dem Zeitpunkt noch keine Bebauung. Fotos: Ludwig, privat

Für das Eckhaus mit der Nummer 96 gab es bereits 1891 eine Schankkonzession. In den Gasträumen des heutigen „Pinocchio“ eröffnete Ende des 19. Jahrhunderts das Restaurant „Mikado“ im japanischen Stil. Nach der Jahrhundertwende war dort die Gastwirtschaft „Zentgraf“ zu finden. Zudem gab es von Anfang an einen Hotelbetrieb. Auch Otto von Bismarck soll dort eine Nacht verbracht haben. Die einstige Nutzung als Hotel ist bis heute zu erahnen: So sind die 25 Wohnungen relativ klein. Im Erdgeschoss befindet sich neben der Pizzeria ein Tattoostudio. Beide bleiben während der Sanierungsarbeiten geöffnet.

Nicht wiederhergestellt wird ein nicht mehr vorhandener Balkon zur Friedrich-Ebert-Straße. Auch die Fliesen am Sockel des Hauses werden zunächst belassen. Der Sandstein darunter ist zu stark zerstört.

Das Haus steht derzeit nicht unter Denkmalschutz, da es nichts Schützenswertes gibt. Dies wird künftig anders sein.

An den Bauarbeiten sind unter anderem die ortsansässigen Firmen Holzbau Hendrich, Gerloff Naturstein und Dachdecker Kühne beteiligt.

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