"medien@schule"

Ästhetik und Nutzen von Windkraft

Kassel. Immer noch starker Gegenwind: Lassen sich die Interessen der Bürger und die Umstellung auf saubere Energie vereinen?

Sie sind groß, laut, zerstören die Landschaft und machen krank - häufig genannte Vorurteile gegenüber Windkraftanlagen. Vor allem in der Region Nordhessen wird seit 2013 verstärkt in Erneuerbare Energien investiert, so auch in die Windenergie. Die Bevölkerung ist angesichts der Windparks zwiegespalten. Doch was ist an diesen Anschuldigungen wahr und was nicht? Um Klarheit zu schaffen, haben wir mit Lars Rotzsche und Ingo Pijanka von den Städtischen Werken gesprochen.

Seit 2013 bauen die Städtischen Werke Windkraftanlagen in und für die Region Kassel, mittlerweile stehen 29 Windkraftanlagen in 4 Windparks. Für manche Bürger stellen die durchaus sichtbaren Anlagen ein Problem dar, denn dass es zu Veränderungen im Landschaftsbild kommt, ist nicht zu vermeiden. Zum einen sind die bis zu 200 Meter hohen Anlagen nicht zu verstecken - und das aus gutem Grund. Da die Anlagen meist im Wald stehen, muss eine bestimmte Höhe erreicht werden, damit letzten Endes genügend Strom erzeugt werden kann. Aber warum werden die Windparks überhaupt im Wald angelegt? Auch dies geschieht nicht ohne Grund. Hessen besteht zu 42% aus Waldflächen. Der sogenannte Regionalplan gibt den Stadtwerken vor, dass ein gewisser Anteil davon als Standort für Windkraftanlagen genutzt werden darf. In waldärmeren Bundesländern, wie zum Beispiel Niedersachsen, setzt man auf Anlagen an der Nordseeküste. 

Jedoch zurück zur Debatte: Eine Studie aus dem Saarland, die in einem Faktenpapier "Tourismus und Landschaftsbild“ der hessischen Landesregierung vorzufinden ist, zeigt, dass ca. 11 Prozent der Befragten finden, Windkraftanlagen gehören zum Landschaftsbild dazu. Doch Windkraftgegner haben einiges zu bemängeln. Zum einen kritisieren sie, dass die Energie durch Überlandleitungen, die alles andere als ästhetisch sind, verteilt wird. Die Städtischen Werke setzen in der Region ausschließlich auf Erdkabel, die den Strom ebenfalls transportieren - für niemanden sichtbar, sodass es eigentlich keinen Grund zur Aufregung geben dürfte.

Doch der Gegenwind scheint nicht zu enden: Kritisiert wird weiterhin, dass der Nutzen von Windkraftanlagen geringer als der von konventionellen Methoden der Energiegewinnung sei, da diese Energiegewinnung nicht garantiert werden könne. Windenergie wird oft als "Zufallsstrom" angesehen, sagt uns Ingo Pijanka von den städtischen Werken. „ Woher soll der Strom denn sonst kommen? Vom Mond?“, ergänzt er. Da geben wir ihm vollkommen Recht, weil niemand der Umwelt schaden will, aber viele trotzdem gegen Windparks wettern. Zudem wird der Strom, unabhängig davon, wie stark der Wind ist, sofort genutzt. In Speicher wurde bisher noch nicht investiert, sagt uns Lars Rotzsche von den städtischen Werken. Sollte es jedoch zu einem Ausbau der Anlagen kommen, ist geplant, dass auch Speichermöglichkeiten geschaffen werden.

Viele Windkraftgegner beschweren sich zudem über den sogenannten Infraschall, denn er mache sie krank – ein schwaches, wenn nicht sogar falsches Argument. Denn beim Infraschall handelt es sich um Schallwellen, die sich in sehr tiefen Tönen äußern, welche für das menschliche Ohr kaum wahrzunehmen sind. Infraschall taucht nicht nur bei der Windkraft auf, auch Autobahnen oder Stereoanlagen verursachen ihn. Veröffentlichte Ergebnisse des Faktenpapiers "Windenergie und Infraschall" der hessischen Landesregierung aus dem Jahr 2015 zeigen eine Studie, die darlegt, dass bei Windkraftanlagen mit Leistungen von 1,8 bis 2,3 Megawatt Werte gemessen wurden, die das menschliche Ohr nicht wahrnehmen kann. Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen konnten in Studien zum Infraschall der Windkraftanlagen nicht festgestellt werden. Außerdem geben Richtlinien vor, dass die Lautstärke, welche an Siedlungen angelangt, nicht über 45 Dezibel betragen darf. Dies entspricht ungefähr der Lautstärke eines Kühlschranks – kurz gesagt: jede Autobahn macht mehr Lärm.

Fakt ist, wir können keine saubere Energie erwarten, ohne dafür bestimmte Kompromisse einzugehen. Dazu gehört auch, Veränderungen im Landsschaftsbild in Kauf zu nehmen. Jede Form der Energiegewinnung schadet der Umwelt in einem gewissem Maße und jeder sollte überlegen welche Form die kleineren Fußstapfen hinterlässt. Denn wie viele bereits zweimal erlebt haben, sind und bleiben die Gefahren, die von konventionellen Formen der Energiegewinnung ausgehen, ein tödliches Risiko. Auch wenn Katastrophen wie Tschernobyl und Fukushima uns genug Warnungen gewesen sein sollten, wird die Diskussion um die Energiewende auch in Zukunft für viel Wirbel sorgen.

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, kann sich bei Energieland Hessen über Windenergie und Tourismus oder Windenergie und Infraschall informieren:

Von Maria Schäfer, Leonie Freigang, Nina Michaelis und Anabel Michaelis (Klasse 9e, Albert-Schweitzer-Schule) für das Projekt "medien@schule"

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Guido Menker

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