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Albert-Schweitzer-Schule in Kassel wird 150 Jahre alt

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Das war der Lernort der heutigen Albert-Schweitzer-Schule in der Zeit von 1911 bis 1943: Bis zur Kriegszerstörung residierte die Schule an der Wilhelmshöher Allee. 

Die Albert-Schweitzer-Schule feiert ein Jahr lang ihr 150-jähriges Bestehen. Was in der Geschichte des Gymnasiums auffällt, ist der häufige Namens- und Standortwechsel.

Eine Schule, die so oft umgezogen ist und in immer neuen Räumen und Gebäuden unterrichtet hat, gibt es wohl kein zweites Mal in Kassel. Die Albert-Schweitzer-Schule, die seit 1945 an der Kölnischen Straße 89 residiert, feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. 

Aus diesem Anlass, so erzählt Schuleiter Markus Crede, haben die Geschichtslehrer Markus Rose und Johannes Palmié mithilfe eines Organigramms Ordnung in das Wirrwarr an Namen und Adressen gebracht: Die wechselvolle Schulgeschichte hat sieben Namen und vier Standorte hervorgebracht. 

Seit 1869 Schulbetrieb in der Wolfsschlucht: Hier nahm die Geschichte des heutigen Gymnasiums ihren Lauf.

Die ASS hieß Realgymnasium, Realschule erster Ordnung, Realgymnasium I, Paul-von-Hindenburg-Schule, Realgymnasium Kölnische Straße, Albert-Schweitzer-Schule – Gymnasium für Jungen und Albert-Schweitzer-Schule. Sie residierte an der Wolfsschlucht, Schomburgstraße, Wilhelmshöher Allee und Kölnischen Straße.

Alles begann im April 1869 mit einem Gymnasium, das seinen Schulbetrieb mit 229 Schülern in einem Gebäude an der Wolfsschlucht 12-14 aufnahm. 1874 machten die ersten elf Schüler ihr Abitur.

Fortschrittliche pädagogische Ideen

Ihre Gründung verdankte die Schule fortschrittlichen pädagogischen Ideen. Schwerpunkte wurden auf den naturwissenschaftlichen Unterricht und moderne Fremdsprachen gelegt – ohne dabei auf den Lateinunterricht zu verzichten.

Fachraum für den Physikunterricht im Realgymnasium 1912: Die Schule, in der Knaben unterrichtet wurden, war auf dem modernsten Stand.

Bereits 1878 musste die Schule in ein neues Gebäude in der Schomburgstraße umziehen, ab 1882 hieß es Realgynmasium I. 1904 war wieder ein Umzug fällig. Es ging in ein größeres Gebäude an der Wilhelmshöher Allee, wo sich heute die Jacob-Grimm-Schule befindet. Von dem stattlichen Gebäude ist seit der Bombennacht im Herbst 1943 nichts übrig.

Die Schulgemeinde wurde in Notunterkünften außerhalb Kassels ausquartiert. Im Herbst 1945 gestattete die US-Militärregierung einen provisorischen Betreuungsunterricht für das „Realgymnasium“ im noch aktuellen Haus an der Kölnischen Straße.

In „Orte des Lernens in 150 Jahren“, einer Abhandlung, die Rose und Palmié „in liebevoller Erinnerung“ dem jüngst verstorbenen „Freund, Kollegen und Spiritus Rector Willi Ritter“ gewidmet haben, schreiben sie: „Zu Beginn muss eine Legende aufgeklärt werden, die sich aus unerklärlichen Gründen im Gedächtnis der Stadt festgesetzt hat.“ Immer wieder begegne man der Behauptung, die heute in der Kölnischen Straße beheimatete ASS sei die Oberrealschule I, die zwischen 1933 und 1945 den Namen Adolf-Hitler-Schule trug. Das sei falsch. 

Markus Crede, Leiter Albert-Schweitzer-Schule

Die alte Oberrealschule I, die bis 1945 Adolf-Hitler-Schule hieß, existiere seit Kriegsende nicht mehr. „Wir haben schulhistorisch mit der Oberrealschule I nichts gemeinsam und nutzen seit 1945 nur deren altes Gebäude. Es ist inzwischen um zahlreiche An- und Neubauten erweitert worden, zuletzt durch einen Neubau für die naturwissenschaftliche Forschung.“

Eine Tradition, auf die man stolz ist

Dieses für alle Schülerinnen und Schüler offene Forschungszentrum Nordhessen (SFN) – Vorläufer war der Physikklub an der ASS – befindet sich in Trägerschaft der Uni Kassel, der Stadt, des Landkreises und des Landes. Das SFN auf dem Schulgelände ist nicht nur ein Trumpf der ASS, sondern auch deren Alleinstellungsmerkmal.

Darüber hinaus gibt es eine Menge Überliefertes, das gehegt und gepflegt wird. Eine Tradition, auf die die ASS stolz ist, sei das Schulrudern, so Crede. Schon zu Kaisers Zeiten saßen die Schüler in einem Boot. Bis heute sind sie bei Ruderwettbewerben erfolgreich.

Tradition haben an der ASS auch die Fremdsprachen. Schon 1890 gab es einen schulinternen Lehrplan für das Fach Französisch. Heute können ASS-Schüler in der fünften Klasse, alternativ zu Englisch Französisch als erste Fremdsprache wählen. Danach besteht die Möglichkeit zu bilingualem Unterricht. Zum Profil der ASS gehört aber auch der naturwissenschaftliche Schwerpunkt Mint. Heute werden an der Europaschule 1050 Schüler von 80 Lehrern und 15 Referendaren unterrichtet.

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