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Ärger über marode Gehwege: Anwohner kritisieren Stadt Kassel

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Von: Matthias Lohr

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Stolperfallen auf der Friedrich-Ebert-Straße: Viele Gehwegplatten sind schief oder nicht mehr fest.
Stolperfallen auf der Friedrich-Ebert-Straße: Viele Gehwegplatten sind schief oder nicht mehr fest. © Matthias Lohr

Die Friedrich-Ebert-Straße in Kassel wird saniert. Nicht neu gemacht werden allerdings die maroden Gehwege. Anwohner ärgern sich über die Stadt.

Kassel – Seit Jahren hat Malte Knigge eine Kinder-Attraktion direkt vor der Haustür seines Vintage-Design-Ladens „Viermalvier“ in der Friedrich-Ebert-Straße. Die Wurzeln einer Platane haben Asphalt und Platten des Gehwegs so weit nach oben gedrückt, dass ein kleiner Hügel entstanden ist. Den nutzen Kinder mit dem Rad als Sprungschanze oder sie hüpfen minutenlang voller Freude auf dem so entstandenen „Col de Fritze“, hat Knigge beobachtet.

Es ist nicht die einzige ramponierte Stelle auf dem Gehweg zwischen Friedenskirche und Annastraße in Kassel. Auch Jens Bose vom Fachgeschäft Natura Medica klagt über zahlreiche „Stolperfallen vor der Haustür“. Viele Gehwegplatten auf dem 800 Meter langen Abschnitt sind lose, andere Stellen wurden notdürftig geteert. Angesichts der derzeitigen Großbaustelle auf der Friedrich-Ebert-Straße fragen sich Anwohner: Warum werden die Gehwege nicht gleich mitsaniert?

Marode Wege in Kassel: Anwohner fürchten eine Baustelle nach der anderen

„Das hätte man auf jeden Fall machen müssen, der Zustand ist einfach schlecht“, sagt Knigge: „Und der Zuschnitt wird den Erfordernissen eines lebendigen Straßenraums nicht mehr gerecht.“ Zudem fürchtet nicht nur Bose, dass der Bürgersteig in wenigen Jahren ohnehin gemacht werden muss und es dann die nächste Baustelle vor seiner Haustür gibt, die für deutliche Umsatzeinbußen sorgt.

Auf dem Abschnitt vom Ständeplatz bis Goethestraße, der zwischen 2013 und 2015 umfassend umgebaut wurde, gibt es längst einen feinen Boulevard ohne Unebenheiten und Stolperfallen. Laut einem Sprecher der Stadt kann man die beiden Maßnahmen aber nicht miteinander vergleichen. Damals seien der komplette Straßenraum und die Versorgungsleitungen erneuert worden. Die neue Baustelle sei „originär eine Gleisbaumaßnahme der KVG“, die die Stadt nutze, um einen Radstreifen zu ergänzen. Bis auf den Kreuzungsbereich an der Querallee fänden die Bauarbeiten lediglich „im bestehenden Straßenquerschnitt statt“.

Fußgänger fühlen sich in Kassel vergessen: „So wird das Viertel nicht lebendiger“

Laut dem Rathaussprecher ist „die Gebrauchsfähigkeit der vorhandenen Gehwege und Parkstreifen uneingeschränkt gegeben“. Eine umfassende Sanierung sei in den kommenden Jahren nicht erforderlich.

Knigge hat für die Argumentation der Stadt kein Verständnis. Er vermisst ein umfassendes Konzept, mit dem der Raum anders verteilt wird: „Der Stadt geht es nur darum, den Verkehrsfluss zu optimieren. Auf einer Straße wie der Friedrich-Ebert-Straße dürfen die Belange der Fußgänger aber nicht außer acht gelassen werden. So wird das Viertel nicht lebendiger. Alles bleibt nur Flickschusterei.“ Nur die Kinder werden auf dem Gehweghügel vor seiner Haustür weiterhin Spaß haben. (Matthias Lohr)

Erst kürzlich tat sich in Kassel nach einem Rohrbruch ein metergroßes Loch auf. Das sorgt nicht nur für Verkehrsbehinderungen – die Anwohner bangen um ihr Zuhause.

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