Stadt weist Kritik zurück

Aufruhr an der Parkstraße: Anwohner wehren sich gegen Fällen der Bäume

Protest der Anwohner: Helga Baller (von links), Regina Rütten, Wilhelm Rütten, Thorsten Usée, Kerstin Etzel mit Philine und Julius, dahinter Reinhard Müller, Rudolf Richard, Roswitha Pressler und Friedrich Loreit haben Zettel in der Hand. Darauf steht: „Dieser Baum soll sterben. Warum?“ Foto: Malmus

Vorderer Westen. Die Auseinandersetzung um die Bäume an der Parkstraße geht in eine neue Runde. „Hier ist richtig Aufruhr, wir haben allein am Wochenende 200 Unterschriften für den Erhalt der Bäume gesammelt“, sagt Anwohner Thorsten Usée.

Hintergrund für den Protest sind Pläne der Stadt, die Parkstraße zu sanieren. Deshalb sind 18 von 70 Bäumen markiert worden, die gefällt werden sollen. Diese Bäume seien doch voller Grün und augenscheinlich gesund, kritisiert auch der Kasseler Dokumentarfilmer Klaus Stern („Versicherungsvertreter“), der in der Nähe der Parkstraße wohnt. Selbst wenn diese Bäume nur noch eine Lebenserwartung von zehn oder 20 Jahren hätten, lohne sich der Erhalt. Auch für die aus dem Boden ragenden Wurzeln gebe es Lösungen, die nicht teuer seien. Von einem grünen Umweltdezernenten erwarte er, dass der sich eindeutig positioniere, sagt Stern.

Klaus Stern

Das macht der Kasseler Baurat und Umweltdezernent Christof Nolda (Grüne) auch. Allerdings nicht so, wie das die Kritiker wohl erhoffen. „Ich habe mir die Situation an der Parkstraße genau angesehen“, sagt Nolda. Es sei ein großer Vorteil, dass es dort unterschiedlich alte Bäume gebe. Für den langfristigen Erhalt der Allee sei es richtig, jetzt einige der ältesten Bäume zu ersetzen. In Kassel gebe es etwa 70.000 Stadtbäume. Er werde sich dafür einsetzen, dass es eher mehr werden. Wer die ökologische und gestalterische Wirkung einer Allee wie der Parkstraße erhalten wolle, müsse Verjüngungen unterstützen. Genau das solle hier geschehen.

Archiv-Video: Bäume müssen weichen

An der Parkstraße soll ungefähr jeder vierte Baum gefällt und durch eine Neupflanzung ersetzt werden. Von dieser Planung sei man völlig überrascht worden, sagt Anwohner Wilhelm Rütten, der deshalb einen Brief an Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) geschrieben hat. Die Parkstraße sei eine grüne Lunge im Quartier, die man erhalten müsse.

„Mit der Informationspolitik der Stadt bin ich überhaupt nicht einverstanden“, sagt auch Thorsten Usée. Erst aus der Zeitung habe man von den Plänen für die Parkstraße erfahren. „Wir sind völlig überrumpelt worden“, sagt er.

Bau mit Verzögerung

Was er nicht mitbekommen hat: Das Thema wurde nach Angaben von Ortsvorsteher Wolfgang Rudolph (SPD) im Ortsbeirat diskutiert, auch eine Anwohnerversammlung hat es gegeben. Allerdings ist das bereits anderthalb Jahre her.

Eigentlich sollte die Parkstraße schon saniert sein. Die Straßenverkehrsbehörde hat aber gewartet, bis das neue Schülerforschungszentrum der Albert-Schweitzer-Schule fertig wurde. Das grenzt direkt an die Parkstraße und wurde vor wenigen Tagen eröffnet.

Von Thomas Siemon

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