Pfosten werden oft entwendet

Autofahrer missachten Verkehrsführung am Kasseler Bebelplatz

+
Tiefe Spuren: Immer wieder fahren Autos von der Friedrich-Ebert-Straße kommend verbotswidrig auf den Bebelplatz. Oft handelt es sich um ortsunkundige Fahrer.

Kassel. Matsch statt Grün am Bebelplatz: Verursacher sind Autofahrer, die verbotswidrig auf den Bebelplatz fahren, oft aus Unwissenheit, weil sie nicht aus Kassel kommen.

Das Wasser sammelt sich in den tiefen Kuhlen, der Boden rund um die Gleise am Bebelplatz ist völlig aufgeweicht – nicht nur ein unschönes Bild, besonders bei Ortsunkundigen sorgt die Verkehrsführung auch nach Jahrzehnten immer noch für Verwirrung. „Immer wieder fahren Autofahrer, die stadtauswärts auf der Friedrich-Ebert-Straße unterwegs geradeaus auf den Bebelplatz“, bestätigt KVG-Sprecher Ingo Pijanka.

Dabei sei das Rasenstück extra angelegt worden um daraufhinzuweisen, dass an der Stelle der Fahrweg für Autos ende. Häufig sei der Grund vermutlich mangelnde Ortskenntnis. Möglicherweise würden die Fahrer dem Schienenverlauf oder einer Straßenbahn folgen, die geradeaus weiterfahre, statt rechtsherum um den Platz zu fahren.

Da die Grünfläche aber relativ kurz sei, fahre sich dort kaum ein Auto fest. Die Fahrer würden relativ schnell merken, dass dies nicht der richtige Weg sei. Der Rasen sei bereits mehrfach neu angelegt worden.

Ein weiteres Ärgernis für die Kasseler Verkehrsgesellschaft ist, dass die Sperrpfosten, die an beiden Enden des Platzes im Boden stecken häufig entwendet werden. „Man kann schon sagen, einmal im Monat ist der Pfosten weg“, sagt Ingo Pijanka.

Auch am Mittwoch sind deutliche Reifenspuren zu erkennen – sowohl rechts als auch links neben dem Sperrpfosten, der eigentlich dafür sorgen soll, dass Autofahrer daraufhingewiesen werden, dass es hier nicht weitergeht.

Anwohner berichten, dass es öfter zu Situationen kommt, dass Autofahrer die Verkehrsführung missachten. Nachts passiere das öfter als am Tag – und immer stadtauswärts. Dass Autofahrer von der Stadthalle kommend stadteinwärts den Gleisen folgen, hat niemand beobachtet.

Laut Polizeisprecher Torsten Werner ist der Bebelplatz kein Unfallschwerpunkt. Laut Werner komme hin und wieder vor, dass sich Autofahrer hier nicht an die Verkehrsführung halten würden, aber wer aus Kassel kommt, der kenne sich aus. Er gehe auch nicht davon aus, dass jemand hier die Absicht habe, schneller ans Ziel zu kommen. Zuletzt hatte es im Dezember einen Unfall am Bebelplatz gegeben. Ein 50-Jähriger aus Kassel war mit seinem Auto stadtauswärts vermutlich zu schnell unterwegs und verlor an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße/Bebelplatz die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen durchfuhr das Gleisbett. Fahrer und Beifahrer wurden schwer verletzt.

Unfall im vergangenen Dezember: Die Ursache war vermutlich überhöhte Geschwindigkeit.

Oliver Kasten betreibt seit über 15 Jahren einen Computerladen am Bebelplatz. Von seinem Laden blickt er direkt auf den Sperrpfosten, der an der Spitze des Platzes steht. „Wir haben hier schon die verrücktesten Sachen gesehen“, sagt er. Der Pfosten werde immer mal umgefahren. Die Verkehrsführung sei eben etwas ungewöhnlich, das sorge vor allem bei Nicht-Kasselern häufig für Verwirrung. Es sei auch schon mal wer linksrum um den Platz gefahren. „Hupkonzerte sind an der Tagesordnung.“

Andere Ladenbetreiber berichten, dass die Vorfälle zuletzt aber abgenommen haben. In früheren Zeiten sei es viel schlimmer gewesen, da habe man fast täglich Autos gehabt, die im Gleisbett unterwegs gewesen seien.

Schon immer außenrum: Unser Bild zeigt den Bebelplatz im Jahr 1952. F

Hintergrund: Platz im Wandel der Stadtgeschichte

Der Bebelplatz ist ein belebter Platz im Kasseler Stadtteil Vorderer Westen, mit Geschäften und Cafés, auf dem sich vor allem im Sommer wunderbar sitzen oder flanieren lässt. Diese Rolle als Verkehrsknotenpunkt und Ort der Begegnung hat der Platz seit seiner Entstehung: Der Kasseler Fabrikant Sigmund Aschrott plante das Viertel Mitte des 19. Jahrhunderts und nannte den Platz auf dem Gebiet Wehlheidens einfach Markt. Bei der Vereinigung Wehlheidens mit Kassel 1899 wurde er zum Neumarkt, der schon bestehende Kasseler Markt in Altmarkt umbenannt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Paul von Hindenburg gewidmet, seinen heutigen Namen erhielt der Bebelplatz 1949. 

Die Bombenschäden des Zweiten Weltkrieges sind am Bebelplatz besonders ersichtlich: Die zerstörten Jugendstilbauten wurden erst in den 1980er Jahren ganz ersetzt, mit Gebäuden im Trend und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit. Eine erste Umgestaltung des Platzes fand schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Der zweite Umbau war Anfang des 21. Jahrhunderts, wobei der Platz in beide Richtungen verlängert und die Haltestelle in östlicher Richtung verlegt wurde. Der Abbau des WC-Häuschens und die Verlegung der Müllcontainer unter die Erde sowie die Sanierung der Haltestellen und der Gehwege gaben dem Bebelplatz sein heutiges Aussehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.