Abriss läuft noch bis Weihnachten

Bagger statt Brauer: Martini-Brauerei weicht neuem Wohnquartier

+
In Schutt und Asche: Seit Juli läuft der Abriss auf dem Martini-Gelände. Das historische Sudhaus (Bildmitte) wird erhalten. Architekt Matthias Foitzik hat die Umwidmung des Areals maßgeblich geplant.

Kassel. Von der Kölnischen Straße betrachtet, sieht die Martini-Brauerei fast so aus wie immer. Doch wer sich dem Areal von hinten nähert, läuft durch ein riesiges Geröllfeld. Hier sind Bagger seit Juli dabei, den Betrieb abzureißen.

Übrig bleiben am Ende nur das 1896 gebaute Sudhaus, das Verwaltungsgebäude aus den 60er-Jahren sowie die historischen Gewölbekeller. Schon im Frühjahr 2018 entstehen auf dem Gelände die ersten Neubauten mit Wohnungen, Gewerbe- und Büroflächen. 50 Mio. Euro werden investiert.

Bis Weihnachten soll der Abriss beendet sein, sagt der Architekt Matthias Foitzik von der MQ Projektentwicklungsgesellschaft. Diese hat die Planung und Organisation der Umwidmung des Areals übernommen. Eigentümer ist noch die Einbecker Brauerei, zu der Martini gehört.

An neun Bauherren soll das Grundstück in den nächsten ein bis zwei Monaten verkauft werden. Darunter sind private Investoren, Baugenossenschaften, Stiftungen und Wohnungsbaugesellschaften. „Das Projekt basiert auf Vielfalt – auch was die Nutzungen angeht“, sagt Foitzik. Geplant sind insgesamt 180 Eigentums- und Mietwohnungen. Darunter sind auch Wohnprojekte für Menschen mit Behinderung sowie für Studenten. Aber auch Büros, Läden und Arztpraxen wird es geben. Eine Kita ist im Gespräch.

Sollen vermutlich über die Weser verschifft werden: Martini-Betriebsleiter Matthias Rothenpieler vor den Gärtanks, die in die Ukraine gehen. Rothenpieler ist der letzte Brauerei-Mitarbeiter vor Ort.

Im alten Sudhaus soll im Erdgeschoss eine kulturelle Institution ihren Platz finden, vielleicht ein Museum. „Das Sudhaus wird das Zentrum des Quartiers bilden und alle anderen Gebäude überragen“, erläutert Foitzik. Davor entsteht ein Platz, auf dem sich die Bewohner treffen können. Der alte Schornstein der Brauerei wurde bereits abgetragen. Es fand sich niemand, der für dessen Instandhaltung aufkommen wollte.

Zum Quartier gehört eine Baulücke an der angrenzenden Uhlandstraße, die ebenfalls gefüllt wird. Spätestens in fünf Jahren sollen alle Bauprojekte abgeschlossen sein, dazu haben sich die Bauherrn verpflichtet. „Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Gebäude in drei Jahren stehen werden“, sagt Foitzik.

Doch zunächst müsse die Stadt im November für Baurecht sorgen. Darum macht sie Foitzik aber keine Sorgen. Der Bebauungsplan sei mit allen abgestimmt worden.

Um das frei werdende Areal nicht Spekulanten zu überlassen, wurden zwischen der Projektentwicklungsgesellschaft und der Brauerei feste Kaufpreise verhandelt. Die Vergabe habe sich nicht nach dem Kaufpreis gerichtet, sondern nach der inhaltlichen wie gestalterischen Qualität des Vorhabens, sagt Foitzik.

Bis Ende des Jahres muss die Einbecker Braurei noch eine große Aufgabe meistern. Riesige Gärtanks müssen zu einer Brauerei in die Ukraine transportiert werden. Anschließend wird Martini-Betriebsleiter Matthias Rothenpieler als letzter Mitarbeiter die Tür für immer schließen. „Wenn es dann noch eine Tür gibt“, sagt Rothenpieler.

Im Januar war beim Abriss der Martini-Brauerei ein altes Logo aufgetaucht. Darüber haben wir hier berichtet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.