Ganze Nacht Trinkgelage - kein Alkoholverbot

Beckett-Anlage: Stadtverordneten-Votum Skandal für Bewohner

Treff an der Tischtennisplatte: Anwohner der Samuel -Beckett-Anlage im Vorderen Westen kritisieren die Ablehnung eines Alkoholverbotes in der Anlage durch die Stadtverordnetenversammlung als Skandal. Wolfgang Ehle (links), Manfred Winkelmann (rechts) und ihre Mitstreiter haben eine Initiative ins Leben gerufen, um das Alkoholverbot durchzusetzen. Foto: Schachtschneider

Vorderer Westen. Anwohner der Samuel-Beckett-Anlage kritisieren, dass die Stadtverordnetenversammlung ein Alkoholverbot für das Wohnquartier im Vorderen Westen abgelehnt hat.

„Es ist ein Skandal, dass bestimmte Interessenlagen in der Verwaltung und im Parlament eine größere Rolle spielen als die berechtigten Bedürfnisse der Menschen und die Eindämmung des Jugend-Alkoholismus“, sagt Wolfgang Ehle, Mitglied der Anwohnerinitiative.

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Die Bewohner leiden seit fünf Jahren unter Trinkgelagen von Jugendlichen und Alkoholikern. Weil nächtlicher Lärm, Alkoholexzesse, Pöbeleien, Müll und Exkremente ein unerträgliches Maß erreicht hätten, hatte die CDU-Rathausfraktion beantragt, ab sofort ein Alkoholverbot von 22 bis 8 Uhr für die Beckett-Anlage zu verhängen. Das lehnte die Mehrheit der Stadtverordneten ab. Stattdessen wurde ein Prüfauftrag beschlossen. Jetzt sollen weitere Bereiche in der Stadt ermittelt werden, in denen ein Alkoholverbot sinnvoll wäre. „Im Ergebnis heißt das, dass zunächst mal gar nichts passiert“, schimpft Ehle und kündigt an: „Wir nehmen den Prüfauftrag für die Beckett-Anlage ernst und übernehmen diese Aufgabe.“

Was sich vor allem in den Wochenend-Nächten abspielt, raubt den Anwohnern den Schlaf und jede Freude am Leben im neuen Stadtviertel auf dem Gelände der früheren Bereitschaftspolizei-Kaserne. Die lautstarken Trinkgelage „gehen auch schon mal bis 4 Uhr früh“, berichtet Irmtraut Winkelmann.

Im bis 24 Uhr geöffneten Rewe-Markt an der Ecke decken sich junge Leute mit Alkohol ein. Zwar verkaufe der Markt keinen Alkohol an Jugendliche, aber „wer über 18 ist, kauft für alle anderen mit ein“, haben Brigitte Domes und Wolfgang Rahming oft beobachtet. Danach geht auf dem Spielplatz die Party los.

Vom städtischen Ordnungsamt und der Polizei sind die Anwohner enttäuscht. „Die helfen uns nicht“, sagt Ursula Siebert. Dabei werde im Verlauf der Trinkgelage auch unverhohlen „gedealt und gehascht“. Immerhin habe die Polizei in einem Fall Dealer auf frischer Tat festgenommen. Dass die Stadtverordneten diese und weitere Straftaten bei der Entscheidung schlicht ignorierten, erschüttert Anwohner. Es gab in der Anlage zerkratzte Autos und demolierte Blumenkübel, Anwohner wurden bedroht und beim Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) habe es mehrere Einbruchversuche gegeben.

Wenn Mitarbeiter des Ordnungsamtes anrollen, würden diese sich nur mit den Trinkern unterhalten und wieder weiterfahren. „Die lassen sich nicht mal die Ausweise zeigen“, haben Manfred Winkelmann und Jürgen Michallek beobachtet. Dabei „geht es hier auch um Jugendgefährdung, da werden Minderjährige abgefüllt“, gibt Wolfgang Ehle zu bedenken.

Ein Mitbewohner habe jüngst gesagt, er sei froh, seine Wohnung nur gemietet zu haben, berichten Friederike Sinnig und Dorothea Hübner. Kaufen würde er die Wohnung nicht mehr.

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