Jörg Robbert trennt sich von seinem Laden

Bedauern im Stadtteil: Buchhandlung im Vorderen Westen verkauft

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Ab dem Jahreswechsel unter neuer Leitung: Nadine Rau von der Fachbuchhandlung Unibuch und Jörg Robbert, der sich nach fast 25 Jahren als Inhaber der Buchhandlung am Bebelplatz zurückzieht – und auch von der Stadtteilarbeit im Quartier.

Kassel. Die Buchhandlung am Bebelplatz, eine Institution von Einzelhandel und Stadtteilkultur im Vorderen Westen, bekommt zum Jahreswechsel neue Eigentümer. Inhaber Jörg Robbert zieht sich nach fast 25 Jahren zurück, um sich mehr seinem Verlag „Kasseler Perspektiven“ zu widmen.

Robbert hat das Geschäft an Nadine Rau und Mike Trepte verkauft, die an der Gottschalkstraße bereits die Fachbuchhandlung Unibuch betreiben.

Die Nachricht, die seit einigen Tagen per Kundenbrief die Runde macht, löste bei vielen im Stadtteil Bedauern aus. Denn Buchhändler Robbert hat sich rund um den Bebelplatz bisher mit viel Engagement als Vorkämpfer der Einzelhandelsszene hervorgetan. Diese Tätigkeit gibt der 60-Jährige nun ebenfalls ab.

Die 2012 erworbene kleine Buchhandlung Brencher in Wilhelmshöhe will Robbert aber weiterführen und sich dort in der Nähe Räumlichkeiten für sein aufstrebendes Verlagsprojekt suchen. Die dort herausgegebenen Plakate und Postkarten mit Ur-Kasseläner Mundartausdrücken finden in der Region reißenden Absatz. Zudem hat der gelernte Schriftsetzer zwei Bildbände und einen originellen Welterbe-Plan in Arbeit. „Da bleibt einfach zu wenig Zeit und Energie bei der zusätzlichen Verantwortung für zwei Buchhandlungen“, sagt Robbert. Er sei aber erleichtert, für das Geschäft am Bebelplatz Nachfolger aus der Kasseler Branche gefunden zu haben: „Das stärkt die Position des unabhängigen Buchhandels.“

Das umfangreiche Veranstaltungsprogramm mit Autorenlesungen, Krimi-Nächten und Kinderaktionen werde fortgeführt, kündigte Nadine Rau von Unibuch an. Auch das zwölfköpfige Mitarbeiterteam werde komplett an Bord bleiben. Einzige Änderung: In die Buchhandlung am Bebelplatz werde auf einer Teilfläche der „Brainstore“ einziehen. Das ist ein von den Unibuch-Machern entwickeltes Shop-in-Shop-Konzept, das sich auf Spiele für Gehirn- und Gedächtnistraining spezialisiert hat.

Zur Vorbreitung des Übergangs wollten die künftigen Inhaber im Lauf des Novembers am Bebelplatz „eine Praktikumswoche“ absolvieren, erzählt Nadine Rau – weil Uni-Bedienstete, Studenten, Juristen und sonstige Fachbuchkunden doch etwas anders ticken würden wie Krimifans oder lesebegeisterte Kinder, die einen Großteil der Kundschaft am Bebelplatz ausmachen.

„Nacht der Poeten“

In der Zwischenzeit geht das beliebte Veranstaltungsprogramm der Buchhandlung weiter – unter anderem mit einer „Nacht der Poeten“ am Freitag, 28. November. Die könnte, ahnt Jörg Robbert, für ihn „eine Art Abschiedsabend“ werden, bevor er die

Geschicke des Geschäfts in neue Hände legt. Geschicke – „das kommt von: ’s schigged“, scherzt Robbert in Anspielung auf seine beliebten Mundartplakate.

Von Axel Schwarz

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