„Bevor ich sterbe, möchte ich...“

Passanten notieren am Bebelplatz Wünsche vor dem Tod

Agnes Thurmann schreibt ihren Wunsch auf den Würfel am Bebelplatz.
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Kunstprojekt im Vorfeld des Welthospiztages: Agnes Thurmann schreibt ihren Wunsch auf den Würfel am Bebelplatz.

Das Kunstprojekt „Before I die...“ soll im Vorfeld des Welthospiztags Aufmerksamkeit für das Thema Tod schaffen. Passanten können am Bebelplatz ihre Träume vor dem Tod mit Kreide festhalten.

Kassel – In der Hektik des Stadtlebens, zwischen Hundegebell und Verkehrslärm, Café und Tramhaltestelle, stellt sich plötzlich eine der wichtigsten Fragen des Lebens: Was möchte ich noch machen, bevor ich sterbe? Mal ist die Antwort simpel, mal kompliziert. Mal amüsant, mal tiefgründig. Seit 2. Oktober wird sie mit Kreide auf dem Kasseler Bebelplatz festgehalten.

Im Vorfeld des Welthospiztags am 10. Oktober soll das Kunstprojekt „Before I die...“ Aufmerksamkeit für das Thema Tod schaffen.. Deshalb hat der Verein „Kasseler Hospital“ am Bebelplatz vier schwarze Tafelwände aufgestellt, auf denen in mehreren Sprachen der Satz „Bevor ich sterbe, möchte ich...“ steht. Vollendet wird er mit den Zielen, Träumen und Sehnsüchten der vorbeilaufenden Passanten, die sie mit Kreide ergänzen. Auch Agnes Thurmann stoppt vor der Tafel, nimmt sich ein farbiges Stück Kreide und schreibt: Bevor ich sterbe, möchte ich meine Liebe aus Australien treffen.

„Bevor ich sterbe, möchte ich...“: Sätze werden nach einigen Stunden wieder weggewischt

Der Satz bleibt einige Stunden stehen, wird dann wieder weggewischt. „Wir haben uns vor zehn Jahren über das Internet kennengelernt. Seither bin ich unglücklich verliebt. Getroffen haben wir uns leider noch nicht“, erklärt die 29-Jährige ihren Wunsch.

Sie finde das Projekt großartig. Der Tod werde in der Gesellschaft immer wieder verdrängt. „Es ist wichtig, sich vorab damit zu beschäftigen, denn der Tod gehört zum Leben dazu“, sagt sie.

„Es ist interessant, was die Leute aufschreiben. Viele Geflüchtete wünschen sich zum Beispiel, gut in Deutschland aufgenommen zu werden oder ihre Familie wiederzusehen. Da geht es um so viel Existenzielles“, sagt Erhard Scherpf, der die Tafelwände gemeinsam mit Stephan Küster für den Verein zu einem Würfel zusammengebaut hat. „Ich unterstütze das Projekt gern. Vor allem die Arbeit im Hospitalverein muss gestärkt werden“, sagt er.

Der Würfel wird noch bis einschließlich 11. Oktober auf dem Bebelplatz stehen. (Pascal Spindler)

Das schreiben Passanten auf den Würfel: Bevor ich sterbe, ...

- möchte ich meine Schwächen akzeptieren

- möchte ich in keiner Diktatur gelebt haben

- möchte ich Robbie Williams küssen

- möchte ich die Welt ein bisschen besser machen

- möchte ich ein Buch schreiben

- möchte ich meine Tochter in der Nähe haben

- möchte ich dem lieben Gott danken, dass er mich zum Atheisten gemacht hat

- möchte ich mein Leben gelebt haben

- möchte ich die Welt sehen

- möchte ich mit der Liebe meines Lebens glücklich sein

- möchte ich einen Porsche

- möchte ich Vielfalt erleben

- möchte ich Mama werden

- möchte ich nach Afrika reisen und dort tanzen

- möchte ich meine Wohnung in Ordnung bringen

- möchte ich gelassener werden

- möchte ich noch viel lachen

- möchte ich meine Stadt autofrei erleben

- möchte ich meiner Tochter sagen können, dass ich mich für eine bessere Welt eingesetzt habe

- möchte ich, dass Massentierhaltung beendet wird

- möchte ich 10 000 Menschen umarmen

- möchte ich mit Delfinen schwimmen

- möchte ich Freunde haben

- möchte ich Japan bereisen

- möchte ich am Meer leben

- möchte ich lernen, in allem etwas Schönes zu sehen

- möchte ich, dass die Menschen endlich vernünftig werden

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