Institution im Vorderen Westen

Die letzten Stunden des Boccaccio: Kassels Kult-Gastro schließt

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Mit dem Jahresende ist Schluss: Die Boccaccio-Betreiber Lucia Carrozzo, Vicenzo La Rocca und Salvatore La Rocca öffnen ihr Restaurant an der Ecke Goethestraße und Querallee letztmals am 31. Dezember bis um 22 Uhr.

Kassel. Nach über 40 Jahren sind nun die letzten Stunden angebrochen im Restaurant Boccaccio im Kasseler Vorderen Westen. In der Stadt hatte das Restaurant einen Namen. 

Am Silvesterabend wird das Lokal, das jahrzentelang eine Art Wohnzimmer des Vorderen Westens war, letztmals geöffnet haben. Bis 22 Uhr läuft der reguläre Restaurantbetrieb, dann sei offiziell Schluss, sagte Mitinhaber Salvatore La Rocca auf Anfrage der HNA: „Nach einer großen Feier ist mir nicht zumute.“

Der Gastronom und sein Team hätten gern noch etwas weitergemacht. Aber der Hauseigentümer hat laut La Rocca andere Pläne und den offiziell schon 2016 ausgelaufenen Pachtvertrag nicht mehr weiter verlängert. Was nun in den Räumen komme, wisse er nicht, sagt der Mitbetreiber, der seit den späten 1970er-Jahren in dem prächtigen Altbau Gäste bedient. Es soll wohl andere gastronomische Pläne geben, „aber das dauert sicher ein bisschen; es muss dann ja erst mal renoviert werden.“ Das Boccaccio jedenfalls werde mit dem Jahresende Geschichte sein.

Es ist Salvatore La Rocca anzumerken, dass ihm dieser Schritt schwer fällt. Zwar hat er inzwischen das Rentenalter erreicht, möchte aber gern noch eine Weile gastronomisch aktiv bleiben. An welcher Wirkungsstätte, das sei zurzeit noch unklar. Noch überwiegt der Schmerz über das Ende einer Institution unter Kassels Lokalen.

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„Das ist bitter, aber da muss man durch“, sagt La Rocca, der im Lauf der Jahre im Boccacccio neben ungezählten Kasselern auch Prominente wie den grünen Außenminister Joschka Fischer oder den documenta-9-Chef Jan Hoet bewirtet hat. Auch viele Stammgäste seien traurig über den bevorstehenden Verlust ihres gewohnten Treffpunkts und seien in diesen Tagen noch einmal häufiger vorbeigekommen, solange das noch möglich ist. La Rocca sagt, es sei ihm wichtig, sich bei all jenen zu bedanken, die ihm und seinem Team über die Jahre hinweg die Treue gehalten haben.

Wenn am Silvesterabend der Restaurantservice beendet ist, werde sich die Belegschaft noch einmal zu einem kleinen Essen versammeln, bevor sich das alte Jahr verabschiedet. Und falls dann der eine oder andere Boccaccio-Sympathisant noch in der Nähe sei, „bekommt er auch ein Glas zu trinken“, sagt La Rocca.

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