Pachtvertrag schon seit längerem ausgelaufen

Ende des Jahres ist Schluss in Kasseler Pizzeria Boccaccio

+
Keine Vertragsverlängerung mehr: Die Boccaccio-Betreiber Lucia Carrozzo, Vicenzo La Rocca und Salvatore La Rocca.

Kassel. Für eine gastronomische Institution im Vorderen Westen sind die Tage gezählt: Das Restaurant Boccaccio an der Ecke Goethestraße und Querallee wird nach über 40 Jahren zum Ende dieses Jahres schließen.

Das bestätigte Mitinhaber Salvatore La Rocca auf Anfrage der HNA.

Schon seit einiger Zeit gab es im Kassels Kneipenszene Spekulationen über eine Schließung des beliebten Italieners, der einem klassenlosen Publikum aller Altersgruppen und Lebensstile als eine Art zweites Wohnzimmer dient. Der langfristige Pachtvertrag für das Lokal war laut La Rocca eigentlich schon 2016 ausgelaufen und seither informell fortgesetzt worden. Er hätte gern noch etwas länger weitergemacht, sagt der Gastronom. Doch nach einigen Gesprächen mit dem Hauseigentümer stehe nun seit ein paar Wochen fest, dass dieser andere Pläne mit den Räumlichkeiten verwirklichen wolle. Daher ende das Pachtverhältnis nun endgültig zum 31. Dezember 2017.

Boccaccio in Kassel: Eine Geschichte in Bildern

Gastronomische Zukunft des Boccaccio noch offen

Eigentümer Gabriel H. Duru war am Montag nicht für Nachfragen zu erreichen, ob der beliebte Szenetreff eine gastronomische Zukunft haben wird und mit welchem Konzept. Der Immobilien-Unternehmer hat den prächtigen Altbau 2011 erworben und seither aufwendig saniert.

Durch alle Bauarbeiten hindurch, auch während der langwierigen Neugestaltung der Goethestraße zum Boulevard, seien die zahlreichen Stammgäste ihrem Boccaccio stets treu geblieben. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Salvatore La Rocca: „Die Leute hängen an diesem Lokal. Manche kommen schon seit Jahrzehnten zu uns.“

Markante Ecke im Westen: Das Haus Goethestraße 32 wurde seit 2011 saniert.

Und viele Gäste in jenen Jahrzehnten trugen bekannte Namen. Jan Hoet etwa, der Leiter der 9. documenta 1992, „war fast jeden Abend da“, erinnert sich La Rocca. Auch dem grünen Außenminister Joschka Fischer habe es im Boccaccio gefallen: „Der hatte das Rinderfilet bestellt.“

Im engeren Gästekreis hat La Rocca schon bekannt gegeben, dass zum Jahresende Schluss sein wird. Der 65-Jährige wird dann nach eigenen Angaben in Rente gehen. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder Vincenzo La Rocca sowie Lucia Carrozzo, die dritte Mitinhaberin, würden aber weiter gastronomisch tätig blieben.

Geschichte des Boccaccio

Als im terrassenseitigen Gastraum des Hauses noch die legendäre Livemusik-Kneipe „Zwylle“ ansässig war, hatte Salvatore La Rocca seinerseits zu den Stammgästen gehört und ab den späten 1970er-Jahren auch dort gearbeitet. Zusammen mit Salvatore Perrone, der 2014 gestorben ist, und Luigi Gauditi übernahm er dann den Gastro-Betrieb.

So war es früher: Ab den 1950er-Jahren war das Lokal „Haus Tegernsee“ in dem imposanten Eckhaus ansässig. Später folgten die Konditorei Lukullus und die legendäre Kneipe „Zwylle“.

Das ursprüngliche Boccacio war ein recht kleines Restaurant in den Räumen rechts vom Eingangsflur. Bei einer umfassenden Neugestaltung vor 20 Jahren wurden die Gasträume dann vereinheitlicht und der Name „Zwylle“ wurde Kasseler Kneipengeschichte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.