Der Vordere Westen ist der dichtbesiedeltste Stadtteil – Jetzt wird hier das Stadtjubiläum begangen

Buntes Leben im Jugendstil

Der Bebelplatz leuchtet: Für die Nacht von Freitag, 1., auf Samstag, 2. November, laden die Kaufleute rund um den Bebelplatz zum Midnight-Shopping (bis 23 Uhr) mit Illuminationen der Firma Kunstlicht ein. Foto:  privat/nh

Vorderer Westen. Das war eine Punktlandung: Rechtzeitig zu den Jubiläumsfestwochen im Vorderen Westen ist das Aushängeschild des Stadtteils, die Goethestraße, nach über zwei Jahren Umbauarbeiten als neuer Boulevard festlich eröffnet worden.

Das ist ein standesgemäßer Start in die Jubiläumsfeierlichkeiten für ein Quartier, das mit fast 16 000 Einwohnern der größte Stadtteil Kassels ist. Flächenmäßig gehört der Vordere Westen mit nur zwei Quadratkilometern zu den kleinsten. Was dazu führt, dass die Bevölkerungsdichte mit 8000 Einwohnern pro Quadratkilometer hier am höchsten ist. Das Vorzeigeviertel mit bester Infrastruktur gilt als begehrter Wohnstandort.

Der Vordere Westen ist nicht nur der dichtbesiedeltste Stadtteil, er gilt – weil zum größten Teil vom Bombardement während des Zweiten Weltkriegs verschont – auch als der architektonisch attraktivste: Ganze Straßenzüge weisen prachtvolle Jugendstil- und Gründerzeit-Wohnhäuser auf. So wie sie der Unternehmer Sigmund Aschrott (1826-1915) einst auf dem Reißbrett als Hohenzollernviertel geplant hatte: immer wieder von Sichtachsen auf das Wahrzeichen der Stadt, den Herkules, durchzogen. Ab 1860 hatte der Textilindustrielle Aschrott damit begonnen, im Westen der Stadt ein neues Kassel zu schaffen. Er wurde damit zum ebenso genialen wie geschäftstüchtigen Gründer des Vorderen Westens.

Doch der Stadtteil ist trotz seiner historisch gewachsenen Schönheit kein Museum, sondern ein nach wie vor dynamisches Quartier. Mit der Bebauung des früheren Bereitschaftspolizei-Geländes zwischen Breitscheid- und Friedrich-Ebert-Straße ist in den vergangenen Jahren ein gänzlich neues Wohngebiet entstanden: die Samuel-Beckett-Anlage. Benannt ist sie nach einem weiteren prominenten Bewohner und Fan des Vorderen Westens, dem irischen Schriftsteller Samuel Beckett (1906--1989). Er hatte mehrmals an der heutigen Bodelschwinghstraße gewohnt und den Straßen des Quartiers in seinem ersten Roman „Traum von mehr bis minder schönen Frauen“ ein Denkmal gesetzt.

Das pulsierende Herz des Vorderen Westens ist der Bebelplatz. Er war im Zuge der Aschrott’-schen Stadterweiterung auf damals Wehlheider Gebiet als Zentrum des heutigen Vorderen Westens entstanden. Zunächst als Markt geplant, wurde er nach der Eingliederung in die Stadt zum „Neumarkt“. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt er den Namen „Hindenburgplatz“ und ab 1947 „Bebelplatz“. Zum Festauftakt am Wochenende wird er illuminiert.

Ortsvorsteher Steffen Müller und Stadtteilbotschafter Gerhard Flögel sind sich sicher: Der Westen wird ein guter Gastgeber sein, wenn es heißt: Wir feiern Stadtjubiläum. Archivfotos: nh

Von Christina Hein

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