Appetit auf Eis ist ungebrochen

Eis-Konditor verrät die Trends des Sommers und ob der Eis-Hunger irgendwann vergeht

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Kennen sich mit Eis aus: Edinei Faria mit seiner Frau Valeria und seinen beiden Söhnen Igor (links) und Pedro. Während Faria selbst auf Pistazzie schwört, isst seine Frau am liebsten Joghurt-Eis und Igor mag besonders gerne salziges Karamell, während Pedro immer Pfefferminz haben möchte.

Kassel. Was darf in einem Supersommer nicht fehlen? Ganz klar: Eis. Im Interview mit einem Eis-Konditor klären wir, ob der Hunger auf Eis irgendwann vergeht und welche Eissorten besonders gefragt sind.

Edinei Faria, der die Eisdiele Boutique Del Gelato in Kassel betreibt, beantwortet im Interview was in diesem Jahr besonders gern gegessen wird, und wie man auf die Ideen für ungewöhnliche Eissorten kommt.

Herr Faria, haben Sie überhaupt noch Hunger auf Eis?

Edinei Meira de Faria: Auf jeden Fall. Ich esse jeden Tag zwei Kugeln Pistazieneis – und zwar nur Pistazieneis. Das ist schon immer meine absolute Lieblingssorte – für mich einfach unverzichtbar.

Und sorgt der Supersommer dafür, dass die Leute schon die Lust auf Eis verlieren?

Faria: Nein, der Appetit auf Eis ist ungebrochen. Seit zehn Jahren wohne ich in Deutschland, so einen Sommer habe ich noch nicht erlebt. Gerade im Vergleich zum vergangenen Jahr, wo wir einen sehr regnerischen Sommer hatten. Es gab zwar immer mal einige sehr heiße Sommertage, aber nicht so wie in diesem Jahr. Das macht sich natürlich auch beim Umsatz bemerkbar.

Trend-Eis: Pistazie mit Mandelsplittern.

Die Deutschen lieben Nudeln, lieben sie deshalb auch Spaghetti-Eis?

Faria: Das kann gut sein. Wenn mich Kunden fragen, was sie nehmen sollen, dann empfehle ich ihnen das auch immer als Erstes. Es gibt die verschiedensten Varianten mit den unterschiedlichsten Früchten und Soßen. Da findet sich für alle Geschmäcker was. Die gefrorene Sahne unter dem Eis ist für viele das Highlight. Der Anteil des Spaghetti-Eises am verkauften verkauften Eis beträgt 30 Prozent.

Und welche Eissorten werden von den Gästen besonders gerne gegessen?

Faria: Einer unserer Favoriten ist auf jeden Fall Pino Pinguino. Das ist eine Eisvariante mit Nutella. Aber auch die Klassiker wie Vanille, Schokolade, Nuss und Zitrone kommen nicht aus der Mode. Mohn-Schmand ist eine Sorte, die bei meinem Vorgänger Sergio Introvigne besonders beliebt war. Die kennen viele Kunden von früher und essen sie heute auch noch besonders gerne.

Und was ist der Trend in diesem Sommer?

Faria: Besonders gefragt ist beispielsweise schwarze Vanille mit scharfem Ingwer und Aktivkohle. Das ist auch durch die Farbe schon ein Hingucker. Auch salziges Karamell gehört zu den Trends.

Auffällig: Schwarze Vanille und roter Ingwer.

Haben Sie sich das überlegt?

Faria: Einige Ideen bekommt man auf Fachmessen. Aber letztendlich ist es so, dass ich mit den Zutaten tüftele, bis es aus meiner Sicht am Besten schmeckt.

Wie lange dauert denn die Eisherstellung?

Faria: Alle Sorten in unserer Eistheke werden täglich frisch aufgefüllt. Das dauert dann im Labor ungefähr drei Stunden, mit den Reserven, die zusätzlich hergestellt werden, verbringt mein Mitarbeiter ungefähr fünf bis sechs Stunden im Labor. Durchschnittlich haben wir über 30 verschiedene Geschmacksrichtungen.

Was würden Sie selbst auf keinen Fall kombinieren?

Faria: Auf keinen Fall kann man vielleicht nicht sagen, aber ich persönlich finde, dass man bei der Kombination Nuss- und Frucht ein bisschen aufpassen muss.

Weitere wichtige Frage: Eher Pappbecher oder eher Waffel?

Faria: Das hält sich in etwa die Waage. Zum Mitnehmen nehmen viele eine Waffel. Durchschnittlich werden von den Kunden zwei Kugeln bestellt.

Und was mögen Kinder besonders gern?

Faria: Das Pinocchio-Eis begeistert die Jüngeren. Die Waffeltüte als Hut, eine Waffel als Nase und die Smarties als Augen – da wird das Eisessen nicht langweilig. Bei den Eissorten kommt es bei Kindern vielfach auf die Farbe an. Die meisten nehmen die blaue Eissorte, die nach Kaugummi schmeckt. Ein Erwachsener würde das nicht unbedingt nehmen, auch wenn hier die Geschmäcker verschieden sind. Der eine mag es lieber fruchtig, der nächste mag eher die Milcheis-Klassiker, und wieder der nächste wagt auch ausgefallenere Sorten.

Der Kunde ist also experimentierfreudig?

Faria: Wir haben viele Stammkunden, die bestellen immer wieder dasselbe. Einige kommen jeden Tag. Bei manchen muss ich gar nicht mehr nachfragen, was sie wollen. Da frage ich dann einfach: Wie immer?

Was ist bei Hitze besonders gefragt?

Faria: Joghurt-Becher. Das sind Eisvarianten, die neben Eis auch Joghurt und oftmals frische Früchte enthalten.

Gibt es Kunden, die schon mit Eis zum Frühstück starten?

Faria: Das eher nicht, dann wird doch eher auf Kaffee zurückgegriffen. Die meisten kommen ab Mittag und dann geht es so weiter bis in den Abend. Wenn das Wetter gut ist, haben wir manchmal auch länger als um 22 Uhr geöffnet.

Also eher ein abendlicher Snack?

Faria: Tagsüber liegen die meisten im Park oder am See. Gerade wenn es sich dann abends ein bisschen abkühlt, dann kommen viele noch mal vorbei. Sie schlendern durch die Stadt und nehmen sich ein Eis auf die Hand mit. Häufig werden auch Milchmix-Getränke zum Mitnehmen bestellt. Das ist dann die Sommervariante vom Kaffee to go.

Damit hat ihr Arbeitstag deutlich mehr als acht Stunden?

Faria: Ja, das stimmt. Meistens bin ich 15 Stunden pro Tag im Café. Aber mir gefällt das. Wenn im Laden viel los ist, dann vergeht die Zeit wie im Flug, und man merkt gar nicht, dass es sich um Arbeit handelt. Aber die Winterpause von November bis Januar brauche ich auch. Da lasse ich es dann ruhiger angehen.

Zur Person

Edinei Meira de Faria (35) ist in Brasilien geboren und aufgewachsen. Sein Vater und sein Großvater sind Italiener, die Familie seiner Frau stammt aus Brasilien. Er besitzt die brasilianische und die italienische Staatsangehörigkeit und hat lange in Italien gelebt. Seit zehn Jahren ist Deutschland Farias Heimat. Der Eis-Konditor hat 2013 das Eis-Café Wagner an der Friedrich-Ebert-Straße übernommen. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Schon gewusst?

  • Speiseeis bestehen vorwiegend aus Wasser, Milch, Sahne und Eigelb, verrührt mit Zucker und verschiedenen geschmacksgebenden Zusätzen wie Fruchtmus, Vanille, Schokolade.
  • Das erste Speiseeis ist aus dem antiken China überliefert. Dort hatten die chinesischen Herrscher hatten große Eislager anlegen lassen. In Europa sind die ersten Eisrezepte um 1700 aus Italien und Frankreich bekannt.
  • Die erste deutsche Eisdiele eröffnete 1799 im Alsterpavillion in Hamburg.
  • Die meistverkaufte Eissorte ist Vanille vor Schokolade, Stracciatella vor Erdbeer, Zitone und Joghurteis.

Roll Ice: Der Eis-Trend des Jahres:

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