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Fotostudio an der Querallee in Kassel schließt nach 55 Jahren

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Verwaist: Das Fotostudio Klintzsch an der Querallee/ Ecke Reginastraße hat vergangene Woche nach 55 Jahren geschlossen. Nun wird ein Nachmieter gesucht.

Kassel. Der Fotograf Guntram Klintzsch hat nach 55 Jahren sein Studio an der Querallee in Kassel geschlossen. Der 69-Jährige geht in Ruhestand. Damit endet am Standort eine lange Fotografengeschichte.

Denn bevor Klintzschs Vater, der Fotografenmeister Joachim Klintzsch, den Betrieb 1963 übernahm, war dort der seinerzeit bekannte Porträtfotograf Max Nehrdich (1880-1959) ansässig. Nehrdich richtete 1904 an der Querallee/ Ecke Reginastraße sein Fotostudio ein. Vor Nehrdichs Linse saßen Schauspielstars wie Hans Albers und Asta Nielsen, aber auch der Komponist Richard Strauss. Sogar Königin Elena von Italien suchte bei einem Besuch in Kassel dessen Atelier im Vorderen Westen auf.

Nehrdich, der später jahrzehntelang der Haus- und Hoffotograf des Kasseler Theaters war, gehörte zu den ersten Autobesitzern in Kassel. Wegen seines Wirkens ist Nehrdich Teil der aktuellen Sonderausstellung im Stadtmuseum („Hingucker – Kasseler Persönlichkeiten und ihr Wirken“). Im Krieg wurde Nehrdichs Studio zerstört, doch er baute es wieder auf.

Nach Nehrdichs Tod übernahm Joachim Klintzsch den traditionsreichen Standort. Der aus Naumburg an der Saale stammende Klintzsch musste seine Firma mit rund 20 Mitarbeitern während der Enteignungen in der damaligen DDR aufgeben. „So ist mein Vater mit seiner Familie noch kurz vor dem Mauerbau mit nur einer Kamera über Westberlin nach Kassel geflohen“, erinnert sich sein Sohn.

Schließlich übernahm der Sohn 1986 das Studio von seinem Vater und führte es bis heute weiter. Er konzentrierte sich unter anderem auf die Industriefotografie und fotografierte für Firmen aus Kassel und der Region wie B.Braun, SMA und Städtische Werke. „Ich kann auf ein schönes und spannendes Berufsleben zurückblicken“, sagt der Fotograf. Nun freue er sich aber darauf, gemeinsam mit seiner Frau Brigitte das Kasseler Umland mit dem Rad zu erkunden. Klintzsch bedankt sich bei allen seinen Kunden, die ihn über die lange Zeit begleitet haben.

Nach der Schließung steht das ehemalige Fotostudio leer. Nach Auskunft der Firma Arnold & Partner aus Kassel, die das Objekt vermietet, gibt es bislang noch keinen Nachmieter. Es gebe aber bereits Interessenten.

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