Autofahrer müssen Rücksicht nehmen

Goethestraße in Kassel wird zum Teil zur Fahrradstraße

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Hier sollen die Radler künftig den Vorrang haben: Das Teilstück der Goethestraße zwischen Rudolphsplatz und Freiherr-vom-Stein-Straße wird zur Fahrradstraße.

Die Goethestraße im Vorderen Westen in Kassel wird zum Teil Fahrradstraße. Das haben die Kasseler Stadtverordneten beschlossen. Sie diskutierten auch generell über den Radverkehr. 

Ein Teilstück der Goethestraße im Vorderen Westen Kassels wird zur Fahrradstraße. Diesen Beschluss fassten die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Montag. Vom Rudolphsplatz bis zur Freiherr-vom-Stein-Straße soll demnach der Radverkehr Vorrang haben und die Geschwindigkeit vorgeben. Autofahrer müssen sich anpassen; für sie gilt maximal Tempo 30. Dafür stimmten SPD, CDU, Grüne sowie die Stadtverordneten Andreas Ernst und Dr. Bernd Hoppe.

Wann die neue Regelung in Kraft tritt, steht allerdings noch nicht fest. Die Umsetzung soll im Rahmen des Radverkehrskonzeptes erfolgen, heißt es. Nur: Dieses Konzept ist zumindest noch nicht veröffentlicht worden.

Der Abstimmung über den entsprechenden Antrag war eine Diskussion vorausgegangen, die sich insgesamt mit dem Radverkehr in Kassel befasste. Dass dieses Thema aktuell eines mit erhöhtem Aufmerksamkeitsfaktor ist, hatte sich dabei schon vor der Sitzung gezeigt. Da sorgten Initiatoren und Unterstützer des Radentscheids mit ihren abmontierten Klingeln für mächtig Lärm. So warben sie für ihr Anliegen: dass die Bedingungen für Radfahrer in Kassel erheblich verbessert werden sollen. Das Rathaus hatte zuletzt aus formalen Gründen den Radentscheid abgelehnt, für den knapp 22 000 Unterschriften eingegangen waren. Damit ist das Thema aber nicht erledigt. Das wurde auch während der Debatte über den Antrag zur Goethestraße deutlich.

Eva Koch von den Grünen nannte die große Anzahl an Unterschriften ein starkes Zeichen, das von den jungen Menschen ausgehe. Sie mahnte: „Wir sollten auf die Signale hören.“ Dominque Kalb von der CDU sprach zwar von einer „Velo-Genuss-Meile“, die nun auf der Goethestraße entstünde, machte aber deutlich, alles zu unterstützen, was der Verkehrssicherheit diene.

Sascha Gröling von der SPD setzte sich ebenfalls dafür ein, die Attraktivität des Radwegenetzes zu steigern, ließ zugleich aber mit einem Satz aufhorchen: „Ich kann nicht feststellen, dass die Radfahrer in Kassel nicht sicher von A nach B kommen.“ Das sorgte vor allem bei den Linken für Gelächter. Die wiederum scheiterten mit einem Änderungsantrag. Der sah vor, dass die Goethestraße auch über die Freiherr-vom-Stein-Straße hinaus als Fahrradstraße ausgewiesen wird. Bei der Abstimmung über den Ursprungsantrag enthielten sich die Linken.

Thomas Materner von der AfD lehnte jeden Antrag zur Goethestraße als Fahrradstraße mit Verweis auf Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung ab. Der Verweis dort auf die ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht würde ausreichen. Das sah die Mehrheit freilich anders. Die Goethestraße wird nun zum Teil Fahrradstraße.

Den Initiatoren des Radentscheids geht das aber nicht weit genug. Anna Luisa Sümmermann sprach von Symbolpolitik. „Das ist für die Stadt eine leicht umzusetzende und kostengünstige Maßnahme, die jedoch keine substanzielle Änderung der Verkehrsführung zur Folge hat.“ Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) kündigte in der Stadtverordnetenversammlung an, dass der Magistrat den Radentscheid in seiner Sitzung am 18. Februar behandeln werde. Einen Monat später soll es dann im Bürgersaal des Rathauses eine große Veranstaltung zu dem Thema geben.

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