Am Montag Thema im Stadtparlament

Bangen um die Gärtchen: Im Vorderen Westen weicht Grün für Parkraum

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Sie prägen das Erscheinungsbild im Vorderen Westen, doch immer mehr müssen Parkraum weichen: Die Vorgärten – unser Bild entstand an der Ecke Querallee, Friedrich-Ebert-Straße.

Kassel. Die kleinen Grünanlagen sind existenziell bedroht: Seit Jahren verschwinden immer mehr Vorgärten im Vorderen Westen zugunsten von Privatparkplätzen. 

Sie machen einen großen Teil der Attraktivität der raren historischen Quartiere Kassels – etwa im Vorderen Westen – aus: Vorgärten.

Die Mitglieder des Ortsbeirats Vorderer Westen prangern seit Jahren die Entwicklung an: Die alten, manchmal von Mauern und schmiedeeisernen Zäunen eingefassten Gärtchen, in denen im Winter Schneeglöckchen und im Sommer Rosenstöcke blühen, werden eingeebnet, gepflastert und dienen fortan als Parkplätze für die Eigentümer. 

Der doppelte Schaden für die Allgemeinheit bestehe darin, dass dadurch in der Regel gleichzeitig öffentliche Parkplätze am Straßenrand verschwinden. Der Privatparkplatz darf ja nicht zugeparkt werden. Ganz zu schweigen davon, dass die Überreste der ästhetischen und ausgeklügelten Planung Sigmund Aschrotts, der ab 1860 den Vorderen Westen als großzügiges Wohnquartier geplant hatte, beschädigt wird. „Die Vorgärten sind ein Merkmal unseres Stadtteils, sie dürfen nicht einfach plattgemacht werden“, sagt dazu Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne).

Der im Stadtteil lebende Kunsthistoriker Gerd Fenner hatte sich gegenüber der HNA geäußert: „Würde es Schule machen, dass Vorgärten in Stellplätze verwandelt werden, kann es passieren, dass diese Eingriffe das gesamte Erscheinungsbild des Stadtteils ruinieren.“

Ein Dutzend Vorgärten sei schon dem Parkdruck zum Opfer gefallen, schätzen die Stadtteilvertreter, die sich während ihrer jüngsten Sitzung zum wiederholten Mal mit dem Thema beschäftigten.

Auch das Rentnerehepaar Karin und Ernst Schmadel hat hier vorgesprochen. Sie bewohnen seit 2004 eine Eigentumswohnung in einem Gründerzeithaus an der Querallee. Karin Schmadel pflegt dort seit Jahren den Vorgarten. Um den bangten sie jetzt: Ein neuer Eigentümer der Wohnung, zu der der Garten laut Teilungerklärung gehört, äußerte Pläne, den Garten in einen Parkplatz für sich zu verwandeln.

Der Ortsbeirat erkundigte sich in der Angelegenheit und konnte jetzt Entwarnung geben. Die steinerne Einfriedung des besagten Vorgartens steht unter Denkmalschutz. Sie darf nicht verändert oder entfernt werden, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Mario Lang (SPD). Darüber hinaus stünden große Teile der gründerzeitlichen Bebauung unter Ensembleschutz.

Lang, der außerdem Stadtverordneter ist, möchte während der Stadtverordnetenversammlung am Montag nun nach dem aktuellen Sachstand fragen und danach, wann in Kassel mit einem Schutz für separate Vorgärten zu rechnen ist.

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