Nachruf

Besitzer des Café Lange gestorben: Trauer um Jürgen Rehermann

Spaziergang-Team: Gern war Jürgen Rehermann mit seiner Hündin Sina in der Natur, hier bei einem Ausflug nahe Schloss Wilhelmsthal.
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Spaziergang-Team: Gern war Jürgen Rehermann mit seiner Hündin Sina in der Natur, hier bei einem Ausflug nahe Schloss Wilhelmsthal.

Der Gastronom Jürgen Rehermann, Besitzer des Café Lange in Kassel, ist nach schwerer Krankheit verstorben. Er wurde 58 Jahre alt.

Kassel – Mit Tatkraft und Optimismus hat Jürgen Rehermann das Café Lange wieder zu einer Institution im Vorderen Westen gemacht, seit er es 2014 als Betreiber übernommen hatte. Während sich das zuvor in die Jahre gekommene Traditionscafé nach aufwendiger Neugestaltung zum Gewinn für die Menschen im Quartier entwickelte, hat Rehermann seinen persönlichen Kampf gegen den Krebs verloren:

Am 25. November ist der Gastronom mit 58 Jahren im Klinikum Kassel verstorben – schwer krank, aber dennoch unerwartet, wie seine Angehörigen berichten.

Kassel: Besitzer des Café Lange war stets optimistisch

„Jürgen hat immer an seine Genesung geglaubt“, sagt seine Lebensgefährtin Martina Böse. Noch einen Tag vor seinem Tod hätten sie am Krankenbett über geschäftliche Dinge gesprochen. „Er hat gesagt: Leg’ es mir auf den Schreibtisch“ – er werde sich kümmern, wenn er wieder zu Hause sei. „Er wollte noch nicht gehen“, ist seine Partnerin sicher: „Aufgeben war nie eine Option für ihn.“

In allen Dingen neue Perspektiven und das Positive zu sehen, zeichnete Jürgen Rehermann aus, erzählen auch seine Schwester Katja und seine Nichte Lara Rehermann. Er war einer, der gesellig und kontaktfreudig auf Menschen zuging und im Leben auch mal nach rechts und links schaute, statt stets den vorgezeichneten Weg zu nehmen.

Trauer um Jürgen Rehermann: 2014 übernahm er das Café Lange in Kassel

1963 in Hofgeismar geboren und aufgewachsen, hatte Rehermann zunächst einen Berufsweg als Postbeamter eingeschlagen und jobbte nebenbei in der Gastronomie. Das kannte er von zu Hause, auch seine Eltern waren Wirtsleute. Mit Ende 20 entschied sich Jürgen Rehermann für ein großes Abenteuer: Er stieg bei der Post aus und ging für ein Jahr nach Venezuela, wo er unter anderem als Reiseführer arbeitete.

Wieder zurück in Kassel, wurde die Cafeteria im Klinikum Kassel sein neues Betätigungsfeld. Ein guter Freund hatte ihm dort eine Stelle verschafft, 1993 konnte Jürgen Rehermann dann selbst den Gastro-Betrieb im Krankenhaus als Pächter übernehmen. Rund 20 Jahre führte er die Klinik-Gastronomie, währenddessen kam er 2010 auch mit seiner Partnerin Martina Böse zusammen.

Vor sieben Jahren war für das Paar eine Neuorientierung fällig, denn das Klinikum hatte entschieden, dass seine Gastronomie künftig von einem externen Dienstleister betrieben werden soll. Einen eigenen Café-Standort hatten Rehermann und Böse bald gefunden; weiter vorn auf der Friedrich-Ebert-Straße, doch die Zusage des Verpächters platzte in letzter Minute. So erwies es sich für das Paar als Glücksfall, dass zeitgleich das Café Lange zur Neuverpachtung anstand.

Rehermann war großer Fan der Huskies – und auch Sponsor

Dieses Projekt forderte Jürgen Rehermanns volle Einsatzkraft. „Aber für seine Leidenschaften hat er sich trotzdem immer Zeit genommen“, erzählt seine Nichte Lara: Wöchentlich golfen gehen im Zierenberger Club Gut Escheberg mit der Freundesrunde, mehrmals im Jahr zum Skifahren verreisen, auch dies im geselligen Kreis. Und den Kassel Huskies die Treue halten: als Fan in der Eissporthalle wie auch als Sponsor der Schlittenhunde.

Für seine Familie sei er stets der Fels in der Brandung gewesen, sagt Jürgen Rehermanns Nichte Lara. Er habe nicht nur anderen Zuversicht gegeben, sondern auch immer selbst „Hoffnung in seine Therapien gehabt“.

Wie es gesundheitlich um ihn steht, hat Rehermann seinen Lieben erstmals vor fünf Jahren angedeutet – bei seiner Geburtstagsfeier, die im Café Lange begangen wurde, und nur eher am Rande, erinnert sich seine Schwester Katja Rehermann: „Er hat wohl auch vieles mit sich selbst ausgemacht und wollte seine Familie nicht belasten.“ (Axel Schwarz)

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