Janina Eikmeier arbeitet in Kreuzkirchen-Gemeinde

Kirche fehlt der Nachwuchs: FSJ soll Geschmack auf Pfarrer-Beruf machen

Mittendrin in der kirchlichen Arbeit: Janina Eikmeier (Mitte) absolviert ein Freiwilligenjahr an der Kreuzkirche (Vorderer Westen). Neben dem Pfarrberuf und der Gemeindearbeit lernt sie auch die Arbeit in der evangelischen Kita der Kreuzkirche kennen. Unser Bild zeigt sie mit den Kindern der grünen Gruppe und dem Praktikanten Ashkan Malikzada. Foto: Koch

Kassel. Die Evangelische Landeskirche fehlt der Nachwuchs. Damit sich das ändert, hat sie ein Förderprogramm zur Nachwuchswerbung aufgelegt. Junge Freiwillige können dabei ein Jahr lang in die Gemeindearbeit hineinschnuppern. Janina Eikmeier ist eine davon.

Eigentlich wollte sie Soziale Arbeit studieren. Weil die 22-Jährige aus Reinhardshagen (Kreis Kassel) aber nicht gleich einen Studienplatz bekam, entschied sie sich für ein Freiwilligenjahr. Vor knapp zwei Monaten hat sie an der Kasseler Kreuzkirche im Vorderen Westen angefangen. Und schnell festgestellt, dass sich ihr Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, auch an der Kirche erfüllen könnte.

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„Vorher habe ich mir nicht klargemacht, wie vielseitig der Pfarrerberuf ist“, sagt Janina Eikmeier. „Man denkt erst mal nur an den Gottesdienst - dabei hat man unheimlich viel mit Menschen zu tun.“ Das macht der 22-Jährigen viel Freude.

Mit Pfarrer Joachim Baier hat sie - neben der Gottesdienstvorbereitung - schon Besuche bei älteren Gemeindemitgliedern gemacht, in der Grundschule den Religionsunterricht mitgestaltet und in der benachbarten Kita bei der Kinderbetreuung mitgeholfen. Auch die Konfirmandenarbeit wird sie noch kennenlernen und bei der Organisation von Konzerten und kulturellen Veranstaltungen mithelfen.

Viel mehr als Gottesdienst

„Ich habe schon in der kurzen Zeit sehr viele wertvolle Erfahrungen gemacht“, sagt die junge Frau, die konfirmiert ist, aber bisher keine regelmäßige Kirchgängerin war. „Der Freiwilligendienst ist super zur Selbstfindung und zur Orientierung, was man später machen möchte.“ Für sie kommt inzwischen der Pfarrerberuf oder die kirchliche Arbeit mit Kindern in die engere Wahl.

Pfarrer Joachim Baier hat seine Berufswahl nicht bereut. „Es ist ein Arbeitsfeld, das es verdient hätte, dass sich mehr Menschen dafür interessieren“, sagt der 41-Jährige. Dadurch, dass er Janina im Rahmen des Freiwilligenprogramms seine Arbeit vorstelle, sei ihm das noch mal neu klar geworden. „Der Blick von außen hat mir auch ein Stück neue Wertschätzung meines beruflichen Alltags gegeben“, sagt Baier, der seit zwölf Jahren Pfarrer und seit eineinhalb Jahren an der Kreuzkirche ist: „Es ist ja wirklich sagenhaft, wie vielfältig die Aufgaben als Pfarrer sind.“

Joachim Baier

Bei einer Sache hat Janina Eikmeier noch Bauchschmerzen: „Das mit den Beerdigungen stelle ich mir schwierig vor, weil es so traurig ist.“ Pfarrer Baier macht ihr Mut: „Die Angst vor dem Thema Tod kommt oft daher, dass man sich - gerade als junger Mensch - noch nicht richtig damit auseinandergesetzt hat.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass es den Trauerfamilien oft schon helfe, wenn man Anteil nehme und zuhöre.

Dies sei ohnehin eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Pfarrerberuf, findet Baier. Und der Glaube? Wer bei der Kirche arbeitet, sollte natürlich an Gott glauben und mit einer christlichen Deutung des Lebens etwas anfangen können, sagt der Theologe. „Aber wer meint, dass Zweifeln nicht sein darf, der irrt. Ein Glaube, der nur fromm nachbetet, ist ein lebloser Glaube.“

Von Katja Rudolph

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