Scharf schmeckt’s besser

Japanischer Student weiß, wie man Messer richtig schärft

Mit leichtem Druck und Geduld: Der Student Hajime Hatano schleift hier auf einem feinkörnigen Keramikblock aus Japan.

Kassel. Über seine Liebe zum Kochen ist der japanische Student Hajime Hatano zu seinem ausgefallenen Hobby gekommen: Messer schärfen.

Er ist davon überzeugt, dass es ganz anders schmeckt, nämlich besser, wenn Gemüse beispielsweise mit scharfem Küchenwerkzeug zubereitet wird. Und beim Zwiebelschneiden, erklärt er, würden die Tränendrüsen weniger gereizt, wenn das Gemüse nicht mit einem stumpfen Messer gequetscht, sondern mit einer scharfen Klinge glatt geschnitten wird.

Wenn es ans Messerschleifen geht, holt der 31-jährige Student für Nachhaltiges Wirtschaften gleich mehrere seiner Schleifsteine hervor, darunter auch Keramikblöcke aus Japan, mit grober, mittlerer und feiner Körnung. Die Schleifsteine sind das A und O und können schon mal mehrere Hundert Euro kosten.

Mit leichtem Druck und Geduld: Der Student Hajime Hatano schleift hier auf einem feinkörnigen Keramikblock aus Japan.

Für den Schleifvorgang müssen sich die Steine vorher mit Wasser vollsaugen, denn nicht die Steine selbst schleifen, sondern der Schleifschlamm, ein Film, der entsteht, wenn das Messer über den nassen Stein geführt wird.

Ruhig und konzentriert schiebt Hajime Hatano nacheinander beide Seiten des Messers über den Stein, indem er mit den Fingern leichten Druck auf die Klinge ausübt. Es dauert nur Minuten, dann ist das Schneidwerkzeug wieder so scharf, dass man es mit Respekt behandeln sollte. Um den Erfolg des Schärfens zu prüfen, führt Hatano die Klinge leicht über seinen Daumennagel; rutscht sie ab, ist sie noch nicht scharf genug, hakt die Klinge fest, sei sie scharf.

Job in Restaurantküche

Hatano, der in einer WG in der Nordstadt lebt, kocht nicht nur gerne, er jobbt auch in der Küche eines Kasseler Restaurants. „Als ich dort anfing, gab es nur stumpfe Messer“, erzählt er. Das habe ihn so genervt, dass er sich vornahm, das Messerschleifen selbst in die Hand zu nehmen. „Bei uns in der Familie hat das früher immer mein Opa gemacht“, erinnert er sich. Doch Japan ist fern, und so erlernte der Enkel das Schleifen via Anleitung im Internet. „Natürlich muss man ein Gefühl für Messer haben“, sagt er und erklärt gleich, wie man ein Messer beim Schneiden richtig hält: Bei Hajime Hatano sind die gesamte Körperhaltung und die Konzentration auf das Messer gerichtet.

In Japan hat der aus Nigata stammende Mann Mathematik studiert. Weil er sich schon von Kindheit an für die Themen Recycling und Abfall interessiert habe, sei seine Aufmerksamkeit später vom Wertstoff-Kreislauf-System in Deutschland angezogen worden. In Geisenheim studierte er Recycling- und Ressourcenwirtschaft, und jetzt geht es in Kassel mit Nachhaltigem Wirtschaften weiter. Neben seinen weiteren Interessen, Geigespielen und Badminton, macht sich Hajime Hatano viele Gedanken darüber, „wie wir in Zukunft leben sollen“. Den Antworten will er aber weniger politisch oder idealistisch als wissenschaftlich auf die Spur kommen.

Kontakt per E-Mail: hajime.hatano@web.de

Hintergrund: Messer schärfen im Reparier-Café

Die Kunst von Hajime Hatano kann heute jeder nutzen: Ab 16 Uhr schärft Hajime Hatano im Reparier-Café im Nachbarschaftstreff Hand in Hand, Samuel-Beckett-Anlage 12 im Vorderen Westen, Messer, die von Gästen mitgebracht werden können. Ihnen entstehen keine Kosten. Kontakt über Wolfgang Ehle, Service-Telefon: 0152 / 0313 0250, info@repaircafe-ks.de

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