39.000 Unikate sind über Ladentisch gegangen

Aus nach 13 Jahren: Kindermodeladen "Bommel" im Vorderen Westen schließt

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Ende des Monats ist Schluss: Pat Reuß-Hecker schließt nach 13 Jahren die Kindermode-Boutique Bommel an der Pestalozzistraße.

Kassel. 13 Jahre lang gab es den Kindermodeladen Bommel im Vorderen Westen. 39.000 Unikate sind in der Zeit über den Ladentisch gegangen. Jetzt macht die beliebte Boutique zu.

„Die Entscheidung kam dann doch kurzfristig“, sagt Pat Reuß-Hecker. 13 Jahre lang hat sie zusammen mit ihrer Freundin Martina Rudisch besondere Kinderkleidung genäht. Stofftiere, Mützen und Schnullerketten – wer auf der Suche nach einem Geschenk für frischgebackene Eltern war, wurde bei Bommel im Vorderen Westen schnell fündig.

Am 1. Oktober endet nun der Ladenverkauf nach über einem Jahrzehnt. Bis dahin sind viele Waren reduziert. „Es war eine tolle Zeit und hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt Reuß-Hecker. Der ausschlaggebende Grund für die Schließung sei gewesen, dass ihre Freundin, mit der sie den Laden zusammen geführt hat, entschlossen habe, aufzuhören. „Von ihr habe ich das Nähen gelernt“, sagt Reuß-Hecker. Ohne die gelernte Maßschneiderin habe sie sich die Herstellung der Bommel-Unikate alleine auch nicht mehr zugetraut. Mehr als 39.000 Stück seien es schließlich in den vergangenen Jahren gewesen.

Ladensterben im Vorderen Westen 

„So ein bisschen sieht man an dieser Ecke gerade das Ladensterben im Vorderen Westen“, sagt Reuß-Hecker und spielt damit auf den Bioladen Schmanddibben an, der seine Türen vor gut zehn Tagen geschlossen hat. Dort läuft mittlerweile der Umbau. Ein Friseur wird einziehen. Bioware werde mittlerweile nicht nur in kleinen Läden angeboten, sondern auch von großen Ketten. Das macht es damit schwieriger für kleinere Läden – Lebensmittel und Kleidung gleichermaßen. Dass man hier auch noch mal unterscheiden müsse, das sei nur den wenigsten bewusst.

2005 haben Reuß-Hecker und Rudisch den Laden mit dem Hintergedanken eröffnet, Textilien eine zweite Chance zu geben. „Wir wollten nie das große Geld verdienen, sondern einfach auch was Gutes tun.“

2006 entstand die erste Bommel-Kollektion 

So wurden zuerst Textilien aus zweiter Hand gepimpt – mit Aufnähern versehen und umgestaltet. Aus alten Hemden entstanden Pyjamas, aus alter Bettwäsche Applikationen, aus Jeans und Cordhosen wurden Caps. Upcycling nennt man diese Umgestaltung. 2006 entstand die erste kleine Bommel-Kollektion. Für Upcycling interessierte sich übrigens auch das koreanische Fernsehen. Ein Kamerateam besucht verschiedenene kleine Upcycling-Boutiquen in ganz Deutschland – unter anderem Bommel.

Der Name Bommel war damals ein spontaner Einfall von Pat Reuß-Heckers Ehemann, Christian Hecker. Bommel stammt aus der ZDF-Fernsehserie „Ich heirate eine Familie“ aus den 80er-Jahren. Das Meerschwein der Familie hieß Bommel. Ein bisschen erinnert das Logo des Ladens daran. Über die Jahre wurden aus Kunden Freunde, erzählt Pat Reuß-Hecker, die selbst seit 20 Jahren im Vorderen Westen wohnt. Viele Kinder haben dort die Bommel-Unikate getragen und ihre Eltern die Nähkurse besucht, um ihre eigene Ideen umzusetzen.

Die Nähkurse im Laden wird es noch bis zum Ende des Jahres geben, bis dahin wird es auch noch möglich sein, einzelne Teile zu bestellen. Danach werden vor allem die besonders bekannten Bommel-Kissen fehlen – nicht nur in Kasseler Kinderzimmern.

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